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Elsa Asenijeff – Die neue Scheherazade

Ein Roman in Gefühlen / Gedichte

Elsa Asenijeff, Die neue Scheherazade, Georg Müller, München, 1913

VORWORT

Tant plus le chemin est long dans l’amour,

tant plus un esprit délicat sent de plaisir.

                                                             (Pascal.)



Menschen! Ich gebe Euch dies: Die neue Scheherazade,

den Roman der Sehnsucht von Maria zu Magnus.

                                              ELSA ASENIJEFF.



19. Februar 1912

Zur Zeit des ersten

Treibhausflieders



WIDMUNG

Den Sternen,

Den Orchideen,

Den kleinen Kindern, diesen Blüten

aus den Gärten des Paradieses,

und

Der geliebten Stimme!





Ihr sagt, die Zeit der schönen Wunder sei tot. Wir hätten Maschinen, Eisen, Luftschiffe und – nichts.

Aber nein!

Wir haben den Reichtum von Maschinen und noch alles Schöne, was Vergangenheit besass, dazu.

Lasst nur die Zufälligkeiten des Alltags fallen, mit denen Ihr Eure Schilderungen beschwert – Ihr werdet dann das Leuchten der Seelen sehen.

Scheherazade wird immer leben, immer wieder in einem Menschenleib einer Zeit wiedergeboren sein. Aber sie hat jetzt den trauteren Namen Maria.

Die sanfte Maria lebt irgendwo, zwischen Häusern, Mauern, Maschinen. Silbrige Luftschiffe und Aeroplane fliegen drüber durch den blauen Himmel.

Maria lebt zwischen Lastern und Hässlichkeit mit naivem Herzen nur der strengen Pflicht und bescheidet sich darin. – Eine Blume zwischen Schutt und Eisen.

Es geschieht an ihr, dass sie Weib wird. Aber sie benimmt sich dabei wie ein Mensch in der Fremde, unter fremden Sitten und Gebräuchen. Noch ist es nicht Tag in ihr, noch ist sie nicht erwacht.

Da plötzlich erlebt sie den Mann zum er­stenmal. Den Blitz, der in einer Sekunde ihr ganzes Leben, ihr Sein erhellend erklärt! – Alles, was falsch war, und sie für gut hielt.

Was ist das Leben? Sie weiss es nicht! Was ist die Liebe? Sie kennt sie nicht. Pflicht hiess ihr Tag. Sie hörte von dem fernen Magnus, der so lebte. Die Leute spöttelten zuerst seiner, denn er ging einen neuen Weg. Die Leute vergötterten ihn dann, als sie sahen, dass der Segen seines Werkes für ihr Wohl verströmte – er aber tat ruhig weiter, als bemerkte er es nicht. Nicht eine Pflicht – tausend Pflichten besiegte seine Kraft! Sein Weg ist Arbeit – So wurde der ferne Oftgepriesene, Ungekannte ihr wie das Bild Gottes, nach dem die Bitten gehen – und den keines Menschen Aug zu denken vermag. Sie lebt im Gedenken jenes Ungekannten. Bevor sie abends einschläft, fragt sie leise: Magnus, hab ich heute alles gut gemacht? Und wenn sie in den Morgen hinein erwacht, betet sie: Magnus, halte meine Seele rein! – Eines Tages aber, als sie zu Leuten kam, trat ein Fremder herein. Und erbleichend fühlte sie: Dies blasse Gesicht ist mein Schicksal! Mein Blut schaukelt ja, – es ist – er ist es! – Magnus! Und nun fühlt sie zitternd: Magnus ist kein Gott – Magnus ist ein schöner Mensch – ein Mann!

. . . Jetzt aber ist sie aus dem dumpfen Unbewussten herauserblüht. Jede Blutzelle wird Seele an dem Zauber seiner Stimme. Sie wacht auf und lauscht ins Leben hinaus.

Man umwirbt sie. Sie aber schüttelt das Haupt. Der Eine will ihr blendenden Reichtum und den Ring fürs Leben geben, der Zweite verspricht ihr den Lorbeer und die Ewigkeit und der Dritte, Jüngste will sie mit seinen jungen Armen hoch über den Alltag halten. Sie aber sagt: »Ich gehöre Magnus. Ich bin eine Blüte auf der Wiese seines Lebens. Nicht aller Blumen Schicksal ist gleich: die einen werden gepflückt, die anderen achtlos zertreten.« »Noch weiss ich das meine nicht, aber ich gehöre Magnus. Wird seine Hand mich aufnehmen oder sein versonnener Fuss achtlos über mich hinweggehen: ich weiss es nicht.« » Aber ich weiss nur, es wäre noch immer herrlicher, durch Magnus zugrunde zu gehen, als mit euch glücklich zu sein.« Aber Liebe saugt an, wie ein heisser Atem. »O Magnus, auch du weisst mich!« So spricht das erwachte Blut aus Mariens Seele.

Sie fühlt plötzlich all die Erschütterung, die der Mann zu geben weiss. Verklärte Kindlichkeit, naive Schelmerei, wissende Glut, heisse Begierden – und das Sehnen der Maria zu Gott . . . ist in ihr. Sie erzittert in Schönheit der Demut, der Hingebung . . . Sie ist Köstliches geworden: ein Weib! Nun sehnt sie, was die Erde vom Frühling will – bewusst, wissend – freudig – im Jubel! – All das Geheimnisvoll-Werdend-Empfengende!

Sie will den Brennend-Geliebten aufzögern, Lieder sollen das Antlitz der Sternen weiten her überdrehen, bis der tote Winter zersinkt und die Nachtigallen kommen . . . süsse Hoffnungen zwischen dem Flaum ihrer Schwingen.

Damit er ihrer denkt, senkt sie ein Lied für ihn in den Ozean des Tages. Aber an der Kälte der Welt erstarrt es zum Wort. Es ist bald heiter, bald ernst, dann spielerisch oder klug – immer anders, um ihn nicht zu langweilen.

Sie ist das Heilbronner Kätchen, Salome und Maria in Einer. Sie hat die vertrauende Demut Kätchens, die kranke Begierde der Salome und den heiligen Wunsch Marias – –

Es ist nicht weit zu ihm! – Die Erde ist so klein! Ueber Länder, Sterne, Fernen kommt es lichtschnell zu ihm! Ihre Lieder sind seine sie anschauenden Gedanken, die ihr aus Meerweite kommen. – Sind Leute da, so tanzt sie, damit nur ihre Glieder ihres Blutes Aufruhr sprechen, ihr Mund aber nichts verrät. Sie kann, weiss, versteht erst alles durch ihn.

Sie will der Erde ein Jauchzen geben, wenn sein Blut in ihrem rauscht. Lerchen jubeln das Glück ihrer Blutzellen! Der blaue Himmel ist die Seidenschmeicheldecke ihrer Nerven! Wenn er kommt, wird die Welt eine brennende Sonne, wenn er geht – ein erloschener Stern.

Und nun weiss sie es, nicht die graue Pflicht – Freude ist des Lebens Sinn! Da lachen die alten Götter hinter den Wolken und jauchzen, dass die Erde dröhnt – denn schön wird ihr Geschaffener und ihnen gleich, wenn der Glanz der Freude ihn verklärt!

Sie fürchtet nun nicht Tod und Hölle, ihr Drängen zittert nur vor neidischen Frühlingsfrösten.

Und sie singt den alten Winter tot und den albernen Schnee und die streng anhaltenden Eiszapfen, bis mit Blüten und Nachtigallen der Narzissenduftende kommt, der heisse Frühling! – der Mann!

 



DIE BLUME AN DEN FRÜHLING

Seine Stimme ist eine tiefe Macht!
Sein Blick ist weich wie die Frühlingsnacht . . .
Sein Mund, der blutrot blüht,
Hat in meinen Tod geglüht:
Da bin ich auferstanden
Ans frohe Licht! . .

EINEM GROSSEN

Wenn du herantrittst –
Dann ist der grosse, feierliche Hauch um mich,
Der mir die Lieder in die Lippen weht.
Nicht mein bin ich!
Dein Odem wird Gebet in meiner Kehle –
Den engen Himmeln weit entrückt,
Bin ich die wilde Weltenseele,
Klarseherisch zugleich und traumbeglückt.
Den hoben Purpurhorizonten grossen Lebens
Ehernen Mannesstrebens
Seh ich gläubig zu.
Nichts bleibt mir fremd,
Du stolzer Geist!
Ein Blumenleben, der dunklen Erde eingeknüpft
Mit seinen heimlich blassen Liebesträumen,
Ist mir so klar,
Wie hoch am Himmel jene fernen Sonnen,
Lichtsehend und allein zu gleichem Los verknüpft.
Jedweder Lebensbronnen quillt dem offenen Sucherblick –
Kleinstes noch tönt leise an –
Das Unbegreifliche enthüllt verschleiert Sein –:
Ich aber bin nicht mein –
Dein Atem haucht mir Allverstehen ein!
– – – Grosser Mann! –

AN EINE MUTTER

Der Himmel ist so weit und hehr,
Die Heide ist so menschenleer,
Tief in ihr junges Grün hinein.
Leg ich dir Toten den Strauss hinein
Im Deingedenken . . .
Wie muss in dieser Welt allein
Dein Herz so gut gewesen sein
Und tapfer und lieben Wollens voll,
Das in sein Blut hinüberquoll
Zu reichem Leben –
Ich setz mich nieder ins linde Grün
Und seh die Vogelschwingen ziehn
In blauen Äther hinein
Und sing dir leise mit lichtem Ton
Von deinem Sohn –
Von deinem grossen Sohn – – –
 

MYSTISCHE VERMÄHLUNG

Feuergarben sprühen durch die Luft,
Blut quoll zu jäh die Adern hinab – hinauf,
Alles Denken hemmte erschüttert seinen Lauf.
Ein Wille schrie in uns
Aus heisser Tierkehle:
Du sahst Astarte,
Entkleidet Scham,
Die lüsternen Brüste dir entgegenragen;
Dein Blick zerriss erbarmungslos das duftige Gewand,
Ich sah den Tierblick fremd und wild aus deinem Aug sich bieten –
Nein! Nimmermehr vergisst du mich!
Nein! Nimmermehr vergäss ich dein,
Und dieser dunkle Wünschewüten,
Das sich im Urmeer aller Lust verrasen wollte . . .
In aller Ferne steigt mein Bild dir auf,
Aus allen Fernen glüht dein fremder Blick,
Die Welt hat keine Weiten,
In allen Sternen spiegelt es,
In allen Zeiten,
Auf allen Meeren,
Im Tode noch – –
Dir – – mir – –

WEIB VON GESCHLECHT – KATZE VON GEBLÜT

Weib von Geschlecht –
Katze von Geblüt,
Trag ich erbliches Recht
Zu schnurren und zu spielen.
Heimlich an weisser Brust
Hängt ein verborgner Opal.
Rühr ich mich unbewusst –
Schlägt er mir die Brust –
Niemand weiss davon,
Es ist nur mir zum Spiel.
Oft wein ich schon –
Er bringt mich just zum Lachen!
Weib von Geschlecht –
Katze von Geblüt,
Trag ich erbliches Recht
Zu schnurren und zu spielen . . .
Schönster, hüte dich . . .!

AN EINE ORCHIDEE

Du wirst in seinen Händen sein,
Du Geliebte!
Und darfst sein blasses Antlitz schauen,
Und wirst wie traurige Frauen
Dran sterben, dass du ihn sahst.
Und dein Veratmen ist wunderschön –
Ungesehen, doch ihn schauend hin über zu gelten –
An seinem Anblick ins Nichts . . . .

HEIMLICHER JUBEL

Süsser, – Einziger, – Grosser, – Schöner!
Mein Herz bricht vor Glück, wenn ich dich denke!
O gib – o schenke,
Ein leises Grüssen der Fernen!
Herrlicher, Süsser, Schöner.
Der du Grosses erstrebst!
Ich jauchz es bis zu den Sternen:
Wie schön ist die Welt, weil du lebst!

SEUFZER AN DEN HEIMLICH-GELIEBTEN

Süsser!
Ich muss leben und weiss nicht
Wo du bist.
Im Finstern geh ich durch das Licht,
Nacht heisst mein Tag.
Wo magst du sein?
Ich muss lächeln und Freunde grüssen
Und halt mich kaum auf schwanken Füssen,
Wie kann ich so das Leben ertragen!
Hab ich noch Hoffnung, dich einmal zu sehn
Und will deshalb noch nicht sterben gehn –
Mein ganzes armes Sein ist nur mehr ein Flehen
Sei glücklich!
Sei ganz glücklich, Herrlicher
Auf deinem fernen Höhen weg!

ROTE SZENERIE

»Hündin! Willst du sagen, wer es ist?«
Es ist dir nichts genommen.
»Wer ist es?« (er haut mit der Peitsche los)
Ein Traum hält mich benommen –
»Wie heisst er?« (er schlägt sie in das bleiche Gesicht)
Und sie wehrt sich nicht.
Sie lächelt sanft mit blutenden Lippen:
»Geliebtester« ist sein Name.

SCHWÜLE LUFT

Geh freien!
Unter festem Dach
Bau dir ein Nest –
Und frag nicht danach.
Ich will deine wilde Blume sein,
In Sommerluft heisser Sonnentage,
Mit schwülem Duft dich umfreien
Bis du die Süsse aus meinem Reiche trinkst,
Und selig-wonnig ins heisse Leben versinkst.

SEUFZER EINER FRAU

O Mond, wie darfst du glücklich sein
Du scheinst ihm allnächtlich ins Fenster hinein!
Sein Mund und ich, wir müssen uns fern sein
Ein Leben lang
Aber du auf deinem nächtlichen Gang
Streichle mit deinem Licht
Sein blasses, süsses Gesicht
Und küss ihn dann viel tausendmal
Auf seinen roten Mund.
Und sag ihm in den Traum hinein
Dass Eine ihn heimlich liebt
Nur ihn allein auf der ganzen Welt
Und an ihn glaubt!
Und dass sie traurig sterben muss –
Fern seinem Gruss!

FLEHEN

Vergiss mich nicht,
O verstoss mich nicht
Aus deinem leisen Gedenken,
Die Welt ist so weit –
Ich bin allein
Und leb in Feindes Haus
Und das freundliche Heimchen
Zirpt nun vor anderer Tür –
– Vergiss mich nicht –
O verstoss mich nicht
Auf immer
Aus deinem Augenlicht!
O trätest du doch durch die leere Tür
Und legtest die blasse Hand geschwind
Auf meine Fieberstirn
Und sprächst mir lind:
Du bist nicht schuldig,
Ich weiss es ja –
Du bist nur ein armes krankes Kind.

WÜSTE ZEIT

Sie, sonst von der gleich massigen Heiterkeit
Der Strahlend-Gesunden,
Sie hat seit langer Zeit
Nicht Ruhe gefunden.
Eine Stimme hat in ihr Leben geklungen,
Augen sah sie, schön wie das Licht,
Nun hört sie Reden der anderen nicht
Und bleibt von einem Blick bezwungen.
Wenn auf der Strasse die Hupe tönt,
So steht sie bang an das Fenster gelehnt,
Wenn die Klinke der Tür sich leise senkt,
So ist ihr Blut von süsser Angst bedrängt,
Wenn das Mädchen am Silbertablett
Ans Bett die Post ihr bringt,
Zerrt sie hastend die Briefe herunter,
Der eine – der eine ist nie darunter.

DER ORGELSPIELER

Hoch oben auf wogenumbrausten Schloss,
Da sitzt der stolze Bürgerspross –
Einsam und allein – –
Sein fahles Antlitz ist ernst und schmal,
Herrische Augen dröhn unter mächtiger Stirn –
Und niemand sah ihn je lächeln.
Hoch oben im Rittersaal,
Da steht eine Orgel so feierlich,
Dort sitzt er vor der metallenen Wand,
Über die Tasten geht seine leichte Hand,
Die Hand, die hart zu herrschen weiss;
Die Füsse zucken an den Pedalen leis,
Er zieht die Register und Orgelgebraus
Tönt wie heiliger Sturm durch das einsame Haus
Hoch oben im Orgelsaal,
Vor der metallenen Wand,
Da sitzt er und sein Blick wird blau,
Wie der Mantel einer seligen Frau,
Und sein Antlitz schimmert zart und fein
Im Mondenglanz wie Elfenbein.
Und sein Mund leuchtet granatenrot
Und sein Lächeln glänzt über Leben und Tod!
Sein Lächeln! – Vor der metallenen Wand –
Das niemand gesehen und niemand gekannt
Im ganzen Land –
Vom Mann der Einsamkeit – – –
Meilenweit – – –

ALLTAGSWEIHE

Der Mühe Unrast kreist um dich
Und Alltag fordert deine Hände.
Du schaffst so müden Leibes noch bebende,
Nun lass es sein!
Tritt vor die Tür, der Abend feiert dich!
Auch dein ist dieser holde Glanz.
Du siehst in dunkler Tiefe weite Ferne,
Unendliches wird sichtbar,
Unfassbares umglänzt dein Angesicht,
Des Schmerzes Winterschnee zerschmilzt –
– – – Tritt! Tritt ein – – –
Ins tiefe Schweigen dieser Nacht
Und schau entrückt die lichten Sterne
Und fühle selig ihre Macht . . .

EINEM GROSSEN

Sein Herz darf mit grossen Pulsen schlagen,
Denn er muss den Willen in Gedanken tragen
Die wie adelige Streiter sind,
Die in Erz gekleidet sind!
Aber
Seiner Gedanken Unermüdlichkeit
Und Joch,
Die aus stolzer Bürgeremsigkeit
Zu grossen Taten reifend
Über Zeiten schweifen,
Werden später Welt noch glorreich sein.

FLEHEN

Mein Herz ist einfach
Wie ein Kinderherz
Verzeih ihn nur und zürne nicht:
Es kann nicht zweie lieben,
Nur einen immerzu
Und – ja – der eine –
Der bist du!

GEWITTER

Feuer, mein Vater
Verglüh auf die Welt,
Ich löse die braunen Locken
In denen Funken sprühen
Und breite die Arme weit.
Hei, die straffe Heiterkeit solcher Zeit!
Ich eil hinaus, dem Sturm entgegen.
Ich bin im Recht,
Flamme bin ich!
Und von deinem Geschlecht.
Du tust mir nichts,
Nur Mensch und Tier
Ducken in Furcht vor dir
Feuer mein Vater,
Peinige das ängstlich-kleine Geschlecht
Stoss sie mit glühendem Fusse,
Grolle sie an!
Ich breite die Arme hinan –
Selig –
Und lache – – – lache – – –
Hinaus in die Ewigkeit . . . .

LEISE LIEBE

Einstmal, wenn Sehnsucht nimmer schweigen kann,
Schleich ich mich nächtlich an dein Lager heran,
Wenn die Lider
Wie weisse Falter auf klauen Blüten wiegen,
Und die Träume auf deinem Denken liegen,
Wie Steine auf tiefen, tiefen Brunnen
Dann schleich ich mich an dein Lager ein
Und halt dein geliebtes Haupt
In meinen bebenden Händen,
Und wein meine Tränen
In deine Augen hinein.
Dann fühlst du mein Weh als wühlende Pein –
Der Tag trifft dich morgens mit nassen Wangen,
An denen noch meine Tränen hangen
Und du fragst dich versonnen
Mit meinem Bangen
Wofür du geweint . . .! Und weisst es nicht,
Und sehnst dich nun nach jenem Weh . . .
Und kennst es nicht . . .!
Und denkst ein Gesicht . . .!
Und kannst es nicht formen . . .!
Es sieht aus dem Dunkel in Tagesnormen
Herauf . . .
Und sinkt zurück . . .
Und winkt ein Glück . . .
Das nie du gekannt –,
– – – nie geahnt!
Und du horchst so angespannt . . .
Und findest es nicht –
– – – Leise verebbt der Schmerz in deinem Gesicht!

DES MANNES BLICKE SPRECHEN

Du bist nicht rein
Du gingst ihn schon,
Den Weg der sengenden Passion
Deine Augen, die nach Liebe schrein,
Deine Brüste die wie Dolche dräun,
Durchs dunkle Kleid
Das Hüftenwiegen, das Liebe spricht,
Der müde Glanz auf deinem Gesicht –
Du bist nicht rein,
Du gingst ihn schon,
Den Weg der sengenden Passion,
Du weisst auch, was mein Beben spricht:
Gewähr dich mir und zögre nicht.

DER NEUE HEILAND

Und der Versucher führte den Heiland
Einen sachten Berg heran.
Über Wiesen und Waldland,
Er stieg mit ihm zur Zinne des Schlosses hinan
Das stand im linden Frühlingsgras
Und war aus Gold und Marmel und Glas,
Unten floss breit ins Blau
Der prächtige Strom.
Von drüben erzitterten im Grau
Des Himmels wiegende Birken gipfel,
Alles war reich und schön und voller Duft
Der blumenwürzigen Frühlingsluft.
Und der Versucher sprach zu dem Heiland:
Sieh, all das weite, breite Land
Und Schloss und Ernten schenk ich dir,
Wenn du Gott verachtest und zu mir betest.
Doch der Heiland sprach: Weiche!
Ich bete nicht zu Gott und nicht zu dir,
Ich bete zu mir, jeder ist sein eigener Gott,
Und angekettet an seine eigene Teufelei,
Dein Geschenk brauch ich nicht –
Dem Unermüdlichen ist es nicht schwer,
Viel zu erraffen . . .
Meine Kraft wird mir das alles verschaffen
Und noch viel mehr . . . Weiche!
–   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –
Da sank der Dämon hin
Und die Hände
Zum Himmel gewendet
Rief er schaudernd hinauf:
Unser Reich ist zu Ende!

SEINE TRUNKENE

Wie muss sein Blick in die Augen sinken:
Wenn er seine Trunkene in den Armen hält!
Wie muss –, schwer von Glück – ihr Kopf in den Nacken sinken
Und taumelnd ihr Sein in seinem ertrinken,
Wenn er den schönen Mund zu ihr herniederbeugt –!
Sein weicher Bart um Hals und Kinn ihr streicht
– Blitze der Lust durch alle Nerven schiebt
Und jedem Gliede Takt und Spannung gibt.
Wenn zwischen Daumen und Fingern er
Ihr zitterndes Köpfchen stille hält!
Bis ihr Pulsschlag lockt – bis ihr Herz nur tockt;
Welt – o Welt! –:
Die Stunde des Glücks ist nah – – –!

DEM ALLVEREINTEN

Einmal komm ich zu dir
Und geh die Treppen stolz hinauf,
Als hätten alle Türen,
Die zu den Räumen führen
Mich längst ersehnt
Und stünden meinem Kommen angelweit . . .
Als wäre der Lakaien goldbetresste Schar
Nur immer hier mir harrend zum Geleit gegeben
Und trete
Für eine stille Stunde in dein Leben ein.
Die leeren Worte sag ich nicht,
Mit denen Fremde sich den ersten Gruss verbrämen –
Den grossen Stunden fern ist alles Schämen,
Du weisst mich ja – ich kenne deine grosse Seele.
So leg ich Hand in deine Hände
Für eine karge Stunde.
Und du wirst stehen
In deiner schlanken Kraft,
In der noch Geist
An jedem Muskel mitgeschafft,
Und mich erwarten,
Als müsst es längst so sein . . .

Und aus dem Fenster in die Nacht gelehnt
Ist es,
Als wären wir des Hauses Sinn und Schicksal,
Eng aneinander
Wang an Wange: Einsamkeit an Einsamkeit . . .!
Wortlos wissend
Blicken wirr pupillenweit
Ins Dunkel – uns allein erhellt –
Und uns entrollt sich,
Wie die Blütenblätter dunkler Riesenblume
Inhalt, Anbeginn und Sinn
Der rätselhaften Welt.
Weit zittert scheuer Blick hinaus
Im stolzen Götter-Schöpfer-Drange –,
Ein leises Lächeln – das wir ungesehen uns
An wehen Lippen wissen –
Verklärt zwei Munde.
Geweihte Stunde
Ist um uns –:
Begrüsst vom Glanz der Ewigkeit
Schaun wir hinüber über Raum und Zeit . . .

ZAUBERHAFTE MONDNACHT

Ich steh an den Balkon gelehnt,
Es ist so tiefe, tiefe Nacht – – –
Ich kann nicht ruhn – – –
So hab ich dich noch nie gesehnt –!
War ich das Mondlicht doch,
Das über deinem Körper spielt,
Und sich an deinem Mund verfangt,
– In deinem Barte zitternd wühlt,
Und zart an deinen Händen hängt.
Es leuchtet Liebe die lichte Welt!
Alle Blätter haben sich aufgestellt
Und sehen träumend die blaue Nacht –
Die Amsel ist nach bangem Sinnen stumm –
– Alle Blumen lächeln und fürchten sich
Und wissen doch nicht warum, – – –
O fühlst du nichts?
Die Sehnsucht steht an deiner Tür
Und reckt die Brüste
Und spannt die Arme weit
Und glüht nach deiner Seligkeit – – –
O wärst du hier!

WEIBES GEBET AN DEN EINEN

Meine Lippen formen deinen Namen,
Als den Samen aller Glut,
In dem alles brennende Leben ruht.
Mein Sehnen formt deine Eigenart –
(Wie bist du kraftvoll und doch so zart!)
Mein Blut – will deinen köstlichen Leib
Nachformen –:
Denn ich bin ein Weib!!

MANN AM KLAVIER

Weite, tongelöste Stunde,
Die du dir ein Meer entbreitest,
Alle Klänge dem Erschauern weitest,
Zieh auch meine liebeswunde,
Flügellahme Seele mit.
Lass verwirrte Zärtlichkeiten
Banger Wellensänge
Ineinandergleiten –
Brausen – rauschen – –
Seine Hände fluten Meere aus. –
–   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –

Ton verblutet strömt sein heisses Wesen aus:
Alles ist so süss und schwer –
Sehnsucht flattert uferlos darüber her – –

SCHMERZENDER REIGEN

Sie hat in dem Haar einen Rosenkranz,
Die Füsse gleiten im wiegenden Tanz,
Sie hat sieben Dolche im Herzen
Und ist nicht Mutter Marie,
Sie hat den Liebsten gefragt:
Hast du kein Glück für mich?
Da hat er lachend gesagt:
Sieben Dolche hab ich für dich!
Und ist auf Reisen gegangen.
Sie hat sieben Dolche im Herzen,
Die hat ihr der Liebste hineingeworfen,
Und muss tanzen damit und lächeln dazu
Mit dem Herzen
Voll Weh und ohne Ruh,
In dem die sieben Dolche des Liebsten
So schmerzen . . .

STURMESNACHT

Vom Sturm die Locken zerzaust,
Unkefreundet und unbehaust
Vom Wind die Kleider wie dunkle Fahne au
So wie des Dämons Fluchgebet
Allein in tiefste Nacht gestellt!
Welt
Um mich und Einsamkeit
–   –   –   –   –   –   –   –   –   –
Und seit ich geboren
– Keine Hand, die die meine ist
– kein Sinn, der nach meinem ist
– kein Tun, das mir gefällt
– kein Plan, – kein Weg
– – – aus mir in die Welt.

KÖNIGIN DER LIEBE

Mein wildes Blut hat nun geboten:
Die Nacht ist gross –
Hoch vor Gesetz und Sitte steht mein Thron
Zur Freude mir, den Menschen Hohn.
Komm her! Du Erdberauschter Sohn,
Dein Frühling ist mein Schoss!
Sei namenlos –
Komm her! Die Nacht ist gross – – – – –

DIE TÄNZERIN

Die Tänzerin tanzt nackt vor versammelter Schar –
Die Glieder blinken blank und klar,
Sein Wohlgefallen küsse den Rhythmus ihrer Glieder,
Die durch den Blick
Den betörenden Augen wieder
Göttlich schön werden . . .
Und ihr Lächeln fällt lose auf ihn nieder,
Wie ein entblättertes Blumenblatt
Das kein Ziel in der Welt mehr hat . . .
Aber draussen, auf zagen Füssen –
Ausgelöscht im Grau der Nacht
Geht eine,
Der Könige die Hände küssen,
Erglühend und demütig-bang
Und erwartet unentwegt,
Wenn frostiger Wind durch die Strassen fegt,
Bis irgendwo, den Weg entlang –
Spät – spät – – –
Sein Auto ihn vorüberträgt
Und dann wird ihre Seele Gesang . . .!

SCHMERZ

Vorbei, vorbei
Des Frühlings frühste Amsel-Schelmerei
Nun singt die Nachtigall ihr schwüles Lied
Und alle Blumen sind erblüht
Und die sich lieben, liegen Arm in Arm.
Der Frühling ist so kurz!
Ich stoss die Hände weg, die nach mir langen –
Die Augen sind von Tränen warm –
Mein ganzes Blut ist traumumfangen
Und sehnet Einen, der nicht meiner denkt.
Bald fällt der letzte Blütenschnee,
Und nimmt samt meiner Seele Weh
Mich weg von dieser lichten Welt.

EIN MANN IM AUTO FÄHRT VORÜBER . . .

Geht eine Dirne vorüber
Geschminkt und mit rohem Mund
Denkt:
Wär nicht das Hundeleben
Der könnt mir vor allen gefallen
                                                                    »Wie süss muss der Blasse sein!«
Geht eine Frau vorüber –
Mit dem Schmerzenszug um den Mund –
Sieht nach dem Manne hinüber
Und macht ein ernstes Gesicht
Und tut, als säh sie ihn nicht
Doch wird sie bleich in ihrer Pein
Und denkt
                                                                    »Wie süss muss der Blasse sein!«
Leicht wie der Frühlingswind
Kommt ein Backfisch vom Zuckerladen,
Schlagsahne um den Mund,
Und wird so rot wie ein ertapptes Kind
Denn sie denkt:
                                                                    »Wie süss muss der Blasse sein!«

HINGEBUNG

Du,
Der allen Glanz meiner Seele gibt,
Lass mich nur manchmal wie ein kleines Kind –
Meine Hand in deiner gehen, –
– – – Gläubig dir lauschend!
Demütig in deine Augen sehen
Und tun, wie du mich heisst . . .!
Doch, wenn sie dir weh tun wollen,
Tückischer Feind sich naht,
Werd ich wie zehntausend Engel
Mit flammenden Schwerten
Schützend um dich stehen
Und gegen deine Feinde gehen . . .!

HAUCH DER LIEBE

Einziger Mann!
Ich erbettle so wenig:
Lass mich in deinem Leben Geringstes –
Das Kleinste sein –!
Lass mich dir
Wie der Hauch einer Blume sein –:
Aber nur dein . . . –!
Dein . . .

HIER, WO DIE GELBEN IRIS STEHN

Hier, wo die gelben Iris stehn,
Da muss er alltäglich vorübergehn.
Hier unter seinem Arbeitsraum
Da blüht noch der alte Hollunderbaum.
Wenn die Sonne kommt, muss er da oben stehn
Und alles wird
Nach seinem Wollen gehen.
Müde erlischt der matte Laternenschein,
Erbleichend weicht die schlaftrunkne Nacht,
Der blaue Tag glänzt froh heran.
Eine Nachtigall ist aus dem Schlaf erwacht
Und singt – – und singt ganz leise
Für sich allein,
Der andern in den Traum hinein.
Jetzt sind die Träume noch blau und wahr,
Bevor die Sonne mit grellem Gefunkel
Über die Erde strahlt.
Warum?
Warum sind meine Augen von Tränen dunkel?

ES IST NICHT ZUM GEWITTER GEKOMMEN

Es ist nicht zum Gewitter gekommen
Das köstlich erschüttert und befreit.
Nun sind die Seelen bang beklommen . . .
Der Flieder hat sich matt geduftet,
Die Blätter hängen schlaff und dunkel –
Es ist nicht zum Gewitter gekommen.
Die Vögel haben sich müd gesungen,
Die Tulpen spreizen matt die Kelche auf,
Wie Munde, die ein banger Schrei erstickt.
Zwei Seelen haben sich matt gerungen
Und sind nun siech und fieberbeklommen – – –
Es ist nicht zum Gewitter gekommen.

KOSMISCHE ETHIK

Frei sein von Ballast
Der Vorurteile.
Sein Selbst und eigenes Weile
Durch des Daseins Dunkel schweben,
Innerlich aus sich erhellt!
Sich selbst ein Enges sein,
Das sich beherrscht, umfasst –
Des Andern Grosses! – eine Welt!

SPRUCH

Der Tag will sich rauh gestalten,
Seine Kämpfe und sein Lärmen haben
Harte Gewalten
Fügen und drängen.
Lass nur die Seele hütend
Das leise Lied entfalten –
In dessen blauen Falten
Der Zartheit Bestes unvergessen ruht.

SIEGHAFTER MANN

Irgendwo
Irgendwo ist ein Glanz in der Welt,
Ganz heraus aus meinen Augen erhellt
Irgendwo, – weit in der Welt –
Irgendwo in weiter Welt
Ist eine Seele Gesang
Und hat ein Blut noch Klang
Von meinem Wesen . . .
Irgendwo in Weltenweite
Kann ich rufen:
Komm oder geh! –!
Und es wird ein Weh
Erlöst –
Oder ein Sterben bedeuten.

 

DIE FRAUEN UND ER

Vergessen die leiernden Klagen,
Die wie Tropfen an Regentagen
Endlos die Luft durchziehen:
Der Frauen Lider schlagen
Über schwellenden Blick
Ein Netz von Wonnen geht
Ihr Blut entlang,
Wenn er mit wiegendem Gang
Unter ihnen steht – – –
Alle Nerven sind von seiner Stimme
Wie Harfen leisfingrig berührt,
Seines Blickes eindringliche Gewalt
Hat sie alle, alle verführt – –
Sie wachsen aus sich selber heraus
Und horchen in leere Welt hinaus
Und wissen nun:
Nichts ist so schön,
Als was auf steglosem Weg
Aus seinem Wesen
In ihr wartendes Leben geht . . . .

MARIE

Sie betreut den Gatten sanft und zart,
Und weiss durch ihres Lächelns Art,
Das wie rote Rosen aus sonnenlosen Tagen blüht,
Des Düstren Gemüt zu erhellen.
Sie geht so leise durch harte Welt,
Allüberall auf sich selbst gestellt,
Allächelnd und in-sich-allein.
Warum muss sie der alten Legenden denken,
Die mit warmem Zauber alles Sein durchtränken
Und Tränen in lichte Augen senken?
An Marie aus hohem Geblüt,
Die still an eines rauhen Armen Seite ging
Und von dem Gotte träumte.
Warum denkt sie an Marie?
Die der Gott einst begnadet?
Warum will sie, die Sanfte,
Noch gütiger werden
Und ist sich selbst niemals recht
Und findet sich immer unwert und schlecht . . .
Wenn sie Mariens Gott mit der durchgeistigten Stirne denkt,
Ihm helle Augen und rote Lippen schenkt
Und eine Stimme, die über alle Qualen fegt . . .
Den Frieden in brennende Herzen legt.

Warum!?
Wenn der mürrische Gatte schläft –
Die tiefe Nacht die hellen Sterne kosend trägt,
Steht sie lauschend – leise vom Lager auf
– Eilt hastend die Bergeshöhe hinauf – hinaus
Und zieht den Schleier von dunklen Locken
Und winkt damit lange – bange
Ihr Sehnen in fremde Nacht hinaus . . .

VOR DEM SPIEGEL

Meine Brüste, ihr sei so schön!
Und er hat sie noch nie gesehn –
Mein Leib, du bist so weiss! –
Wie ist mir – noch ohne Kleider – so heiss – – –
Mein Mund, du bist so fiebernd geschwellt –
Ach! gab es noch Einen,
Wie ihn auf der Welt!

LEIDENSCHAFT

Es weht dein Gruss mich an
Aus fernen Wänden;
Alle feinsten Nervenenden
Horchen auf und stellen sich an
Und mit wildgefalteten Händen
Schrei ich dir fernen Mann:
Süsser, die Welt ist in die Knie gesunken,
Und betet um dich wildinniglich!
Die Welt ist eine irre Magd,
Die halt- und lieblos sich beklagt.
Die Welt ist ja mein heisses Blut
Das dein gedenkend bald fiebert, bald ruht,
Die Welt ist meine heisse Seele,
Die Welt ist nichts ohne dich – was bin ich!
Sieh mich an – du Schöpfer – Gott – Mann!

IHREM GUTEN GEIST

Ein Wort von ihm –
Und ihr Leben fühlt sich geführt –
Ein Blick von ihm –
– Ihr ganzer Leib vibriert.
Sie wird wie eine Harfe
Von seinem Hauch berührt . . .
Ihre Seele tönt dann als Lied,
Das fremde Seelen rührt . . .

ANKLAGE

In dämmerungsblaue Wiesenmatten
Sind trunken
Die grossen, weissen Blüten hingesunken,
Die schwarze Falter gierig überschatten.
Die Rosen hängen fassungslos übers Gitter –
Die Zweige sind voll gedrängtem Flügelgeflatter.
Die Blumen können vor Wonne den Duft nicht halten
Und werfen ihn jedem Wanderer zu.
Die Tulpen spreizen ihre Blätter
Bis zu den Pollen hinauf – – –
Alles bebt unter süssen Gewalten. –
Alle Ruh ist weg von der fiebernden Welt!
Nur für die Vase der Lust,
Für das Weib,
Habt ihr nur die erfrorene Tugend allein?!
In dieses Girren, Duften, Schrein
Der Lust hinein
In Daseins tiefsten, heissesten Grund hinein
. . . nichts als erfrorene Tugend?
O Pein der Greisenniedertracht,
Die die Sitten formt!
Und Gesetze macht!

VERSÄUMTE STUNDE

– – – Und wolltest Herrin meiner wachen Nächte sein –
Verstandest nicht den Ruf,
Der dir, – des Wortes Grelle ungemein, –
Aus Blutes Dunkel sehnend Mahnung schuf
– versprechend – sprach:
Versteh es bloss!
So Leib und Seele will sich heilig öffnen deinem Schoss.
Und liesst ein Meer verebben!
Törin, geh hin!
Verlier dich an die Lieder –!
Der Gnade Zeit ist um –
Und Stund und Welle kehrt nicht wieder. – – –

HEDDA GABLER DENKT AN EINEN!

Tauben flattern auf, rote Rosen schwanken,
Er kommt!
Seine Wangen sind von heissen Nächten bleich,
Seine Lippen sind von wilden Küssen rot,
Seiner Augen Weissglut brennt in fremdes Blut hinein,
Mädchen drücken erschreckt die Knie ein,
Wenn sie ihn sehen – – –
Im Gehen biegt er wiegend seine schlanken Lenden
Und lächelt
Als wär das Leben aller Freuden reich –
Er denkt ihrer nicht!
Geküsst und vergessen!
Wie glücklich müssen die Dirnen sein!

Und Frauen!
Frauen bringt er wohl immer den Tod,
Die ihn erblickt – schämt sich des Gatten
Und fühlt die treueste Liebe ermatten,
Nonnen denken an Kindersegen
Und suchen scheu nach dunklen Gartenwegen.

Seine Wangen sind von heissen Nächten bleich,
Seine Lippen sind von wilden Küssen rot,
Seiner Augen Weissglut brennt in fremdes Blut hinein
Und bringt den Frauen wilde Pein – – –
–   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –
Wie glücklich müssen die Dirnen sein . . .!

EHE-ENDE

Mit blinden Händen
Angetastet
Und nicht erkannt.
Mit leeren Augen,
Die nicht fassen,
Die weder heiss lieben,
Noch glühend hassen –
Mit kaltem Atem angehaucht,
Mit Küssen, die wie Würmer
Überschleichen – gepeinigt . . .
Mit lauen Sinnen
Ohne Bränden
Des Leibes Geheimnis durchwühlt
Und nur erklältet und nie gekühlt . . .

STIMMUNGSBILD

Des offenen Schlafrockes Schleppe
Auf den Stufen aufgebauscht
Geht sie die Treppe
Hinab – – –
Herab . . .
Ein Pfauenrad von Seide hinter sich –
Die nackten Füsse
In den Stöckelschuhen,
Deren Stockei, wie klirre Kastagnetten
Auf steile Stufen klippe-klappen
– Verachtung im pupillenarmen Blick.
Wie hungrige Wölfin die Mundwinkel
An den Eckzähnen hinaufgezogen
Steigt sie herab
Und unten – ganz unten –
An der Treppe Ende
Kniet und faltet zitternde Hände
Roheit und Gewalt,
In eines Mannes Leib zurückgesunken,
Der trunken harrend
Gewähren bettelnd fleht . . .
Sie aber hebt die Schleppe
Und schreitet mit gleitendem Sprung
Über ihn hinweg –
Weiter, weiter
In ihren fernen Traum hinein . . .
Und ihre Augen
Werden wieder weit und gross – – –

MONDESNACHT

Die lange Nacht,
Die bange Nacht,
Wachend und allein!
Und draussen blüht der Mondenschein
In lächelndem Frieden über die Welt.
Du bist noch wach,
Aus der Ferne
Strömt leises Glück
Zu mir . . . . .
O wärst du hier!
So hab ich mich noch nie gesehnt,
Flammend-Geliebter
Nach dir!

WUNSCH

Nur einmal wie ein kleines Kind verwöhnt
Zu deinen Füssen sitzen;
Die Ellenbogen an deine Knie gelehnt,
Mit frohen Augen dich anblitzen,
Und glücklich deiner Weisheit lauschen!
Nur einmal wie ein kleines Kind verwöhnt
Zu deinen Füssen sitzen!
Nur einmal
Unter purpurnen Rosenhecken
Dich mit dem stolzen Gang
Hier durchschreiten sehn –
Mich sachte vor dir verstecken
Und dich schalkhaft necken!
Nur einmal
Unter diesen roten Rosenbränden
Mit leisen Händen Dich haschen,
Und dann Grosser,
Lachend in die Hände paschen,
Wenn du – der Menschen bändigst –
Erschrickst – und um dich blickst –,
Und unter der purpurnen Rosenpracht
Die Lippen nicht findest,
Die schelmisch dir gelacht . . .

MANNESGRÖSSE

Wie seid ihr frei und gross ihr Männer
In eurem Menschlichsten!
Euer Leib ist nicht gebunden
An eurer Seele zarte Wunden.
Eines vom andern frei,
Könnt ihr die Gaben spenden, verwalten
Oder vergeuden.
Auch noch aus sehnsuchtsleeren Stunden
Glühen Freuden
Für euch!
Das Leben ist euch reich,
Es wehrt euch nicht
Es sagt euch noch: nehmt, nehmt
Mit vollen Händen!
Wir aber, unselig ans Gefühl Gefesselte,
Wir können nicht die Liebe
Von dem Leibe trennen.
Nur wo des Sehnens weisse Zärtlichkeiten
Ihre hüllenden Schleier
Über heisse Wünsche legen,
Die uns so schamrot und so selig machen,
Dort können wir uns geben,
– Ungeteilt und ganz –
Und auch der Glühendsten ist jenes heitre Spiel versagt,
Das sie von Blutes dunkler Qual befreien könnte,
Wenn nicht der Liebe zarte Täuschung es verklärt.
So welken unsre Besten blumengleich dahin,
Versengt an eigner Glut und leer an Liebe.
So wehrt die Gattin oft dem Gatten

 
Papierverbrieftes Recht als Schmach!
Nur wo der Seele zarte Träume
Rosa Schatten warfen,
Da folgt der Leib
Der Seele willig nach – – –

EINEM JÜNGLING

Ihr Priester meiner zarten Gebärden,
Verlangt nicht mehr, es bringt euch Leid!
In heller Träume lichtem Werden
Gibt meine Seele euch Geleit.
Ihr sollt die Priesterhände heben,
Die segnend meinem Leben sind.
Und nicht in wirrer Lust erbeben:
Euch will ich bleiben reines Kind!
Die wilde Pracht verborgner Zärtlichkeiten
Sollt ihr nicht ahnen meinem Leib.
Die Hand in eurer Hand, den Blick in Weiten –
Nur keusches Kind euch – niemals Weib!

VERTRAUEN UND ANGST

Du lieber Grosser!
Nimm meine Hände ganz in deine hinein
Und hülle sie in deine schützende Wärme ein.
Sieh mir gut in die Augen hinein,
Dann werd ich gehorsames Kind
Und alles Leid wird vergessen sein.
Nein! Nein!
Komm mit deinen Fingern nicht
An den meinen vorüber
Funken springen hinüber – herüber
Nein!
Sieh mir nie – nimmer
In meine Augen hinein –
Denn dann würd ich dir blind
Verfallen sein . . .!

BEFEHLUNG
(Im Volkston)


Und kann es nicht ehrbar sein,
So komm verstohlen zu mir herein –
Meine Lieb zu dir
Ist tiefer als alles Meer!
Meine Glut für dich
Ist grösser als alle Ehr –!
– Steig leise herein!
Zwei werden selig sein!

EINE ENTBIETET EINEM
(Im Volkston)


Was wartest du noch,
Bitte, bitte,
So küss mich doch!
Ich bin dir verfallen, –
Du weisst es doch!
Ich hab dich im Blut . . .
Nicht einmal sterben könnt ich! –,
Eh nicht dein Mund
Einmal, einmal
Auf meinem geruht!
Was wartest du noch?
Bitte, bitte,
So küss mich doch!

DEMÜTIGE LIEBE

Ich bin dein!
Du bist nicht mein –
Du kannst leben, wo es auch ist,
Ich kann ohne dich nicht sein!
Die Sonne kann ohne Erde sein,
Doch die Erde kann ohne
Sonne nicht sein.
Wenn die Sonne fern,
Ist die Erde grau und müd
Und glaubt, sie ist längst gestorben . . .
Der Glanz ist weg . . . alles Blühen verdorben . . .
Doch strahlt Sonne herab
Auf die sehnende Erde,
So glänzt noch jedes Grab
Voll lachender Blüten.
Vogelkehlen singen Lenzeslieder,
Die Erde wird jung . . .
Du erkennst sie nicht wieder . . .
Ich bin dein! Ich bin dein!
Komm wieder! . . .

WEH!

Sie kann mit dem Fernen nicht fertig werden
Nun hat sie die hilflosen Gebärden
Wie ein krankes Kind.
Aus Augen, die weh und flehend sind,
Sieht sie die Menschen bangend an
Und jedes Nahn
Erschreckt sie –
Als müsste die Tür
Von selber gehn –
Und einer plötzlich vor ihr stehen,
Blass, mit herrischem Gesicht!
Und ihr doch milde sagen:
»So weine doch nicht!«

MONDAINE EPISODE


Vor der Kommode mit den alten Büchern aus Japan
Standen er und sie,
Und sprachen korrekt und leicht,
Während die Gäste gruppiert in den Sälen sassen.
Ein leiser Klang der Geigen sang herüber,
Dean die Musik sollte beginnen.
Da stieg dämonisch aus verschlossenen Büchern
Der leise Krampf verschwiegener Seligkeiten
Und legte sich wie Ambraduft
Um bange Seelen . . .
Ihr mondaines Lächeln verschwand – – –
Ein bleiches Zittern ging durch ihren Leib,
Sein herrischer Blick ward veilchenblau
(Ihr schien, sie müsste ersticken)
Wie war er so sieghaft schön!
Sein Mund erblühte blumenrot
Seine Stimme war ein leiser Cellosang –
Weich und umgebogen – –
(Wie musste er Frauen betören können!)
– Keiner so wie er!
Noch nie hatte sie eine solche Stimme vernommen,
Die fügsam machte, wie Küsse auf nackter Haut . .
Diese Stimme!!
Jedes leise Wort hörte sie durch ihr ganzes Blut.

Da kamen Gäste aus dem Saal,
Sein Blick wurde kalt und bleich
Über ihre Lippen zog müde das mondaine Lächeln –
Sie gingen korrekt und leicht unter nichtssagender Rede
In die bunte Langweile des Saales zurück . .

ZUFÄLLIGE BEGEGNUNG

Ich hab ja niemand auf der Welt –
Der Andre nimmt mich, wie man Früchte isst –
Begreifst du, wie das entehrend dem Weibe ist
Das auf Liebe hält!
Ich hab nur die Verehrer um mich! –,
Die wie böse Insekten im Liebesgarten
Auf der reifen Frucht
Verderben warten . .
Ich habe niemand auf der Welt,
Der mir führend und edel ist!
Nur wenn dein bleicher Glanz vorübergeht,
Dann weiss ich, dass das Gute
Das Richtige ist . . . . . .

HEIMAT

Heimat, du liebe, warme!
Dort führt dich Liebe am Arme –
Alle Stürme sind noch so lind,
Wie das Lächeln vom kleinen Kind.
Aus allen Menschenaugen
Schaut dich die Güte an!
Ein gutes Mitverstehen
Hält dir den Schmerz im Bann.
–   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –
–   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –
Möcht wissen, wo meine Heimat ist –
Ich hab sie noch nie gesehen . . .

DER MANN IM PELZ


Hast die Hände in den Pelz getan
Und fröstelst von kalter Morgenfahrt in der Bahn,
Gehst sinnend voran – –
Von draussen sieht der graue Tag hervor.
Dein Kopf hebt sich langsam zur Glaswand der Uhr empor,
Du, der nie eine Minute im Leben versäumt noch hat,
Hängst dein Schauen fragend ans Zifferblatt!
– Wolken zersinken oben in glaswandigen Scheiben,
Ein Sonnenstrahl fallt dir in Aug und Gesicht,
So, dass es leuchtet vor verklärtem Licht:
Siehst du es nicht?
Es hält Dich jemand zaghaft am Gewand
Und geht mit dir ganz Schritt in Schritt,
Das ist meine Liebe, die schreitet mit.
–   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –  –   –   –   –   –   – 
Siehst du es nicht?
Es hat hinter dir, bleicher Mann,
Jemand Engelflügel an den Schultern an.
Es ist meine Liebe,
Die alles Fieber abgetan
Und durch dich hell und heilig ward,
Edler Mann!


 

LUNCH


Die Baumgipfel grüssen ins weisse Zimmer herein
Und unten plätschert der Fluss manierlich und fein
Im mauergefassten Kanale, als wär’s Venedig . . .
Nur die Aussicht ist weit, weit ins Grüne hinein
Ganz ferne dahinten nur ahnt man die Häuserreihn,
Illustre Gäste sind um den Tisch gereiht
Und plaudern in harmloser Heiterkeit
Es schimmert goldig glitzernder Wein,
Die Blumen verduften ihr Blumensein,
Im Gläserschliff blitzt der Sonnenschein
Und legt sich kosend ins Haar hinein.
Das Mädchen trägt still die Schüsseln heran
Mit den tändelnden Putten
Aus Meissner Porzellan
Und den kleinen, drolligen Blümchen.
Es klingen die silbernen Gabeln
Leise in Tellern an,
Die Männer trinken den hitzenden Wein,
Die Frauen halten den kalten Gläserrand,
Der kühlt
Gegen die heissen Lippen
Und nippen
Scheinbar nur –!
Die Kleider der Frauen schimmern hell
Vom dunklen Männergewand,
Die Hausfrau lächelt mit verhärmtem Gesicht
Und schaut alle an und sieht sie nicht
Und träumt so leise, während sie andres spricht:
Wie blass ist das süsse Gesicht
Des Fernen!
Sie vergisst es nie! Sie vergisst es nicht!

FRAUEN

Ihre Leiber sind die Vasen
Für ein künftiges Geschick.
Ihre Blicke sind Oasen
Im sandig leeren Zeitenblick.
Sie sind so schön,
Weil sie ihr Los
Nicht kennen.
Und dennoch still und gross
Der Zeiten ewigen Willen
Selbstlos erfüllen.
Einst in späten Tagen
Werden sie herrlich frei
Des Firmamentes Seligkeit tragen,
Leid und Pein
Wird vergessen sein
In ihres Lebens schöner Kraft.

DER SCHWARZE SCHWAN

Meine Seele ist der schwarze Schwan
Der trunknen Liebe,
Der ganz hinuntertaucht
In tiefe Rätselwogen –
Komm her gezogen
Und bring mich wieder ans Land
Und sichrem Boden!
Oder ich locke dich –
(Oder lock ich dich?)
Unwillig – willig
Hinunter
In den blauen Traum
Der Wogen . . .

DAS VERLORENE PARADIES

Leise Türen führten
Sachte von Raum zu Raum
Sachte Sohlen gingen
Lind dahin wie im Traum
Selbst Weh war nur so mild und bleich
Lachen klang leise und silbern an
Und alles war gedämpft und bleich –
Durch matte Ampeln schimmerte Licht –
Mildgoldner Kerzenschein
Strahlte in sanfte Gesichter ein
Es knisterte das seidene Kleid
Der Grossmama, wenn das Kind
Am Stickrahmen an ihr vorüberging
Wo sie aus ihrem Herzen Blumen fing
Und sie mit goldnen Fäden
In seidne Brokate hing.
Doch jetzt ist alles wie Trommelhall
Und Dröhnen und Peitschenknall.
Die Türen schlagen auf und zu,
Der Boden knackt und dröhnt bei Schritten
Und alles Lachen poltert laut.
Auch Leiden kennt nicht stille Ruh
Gezanke kreischt durch harte Luft,
Durch unverhüllte Scheiben kommt grelles Licht,
Die Nervenenden stehen im Sturm
Und taumeln herum mit verwehten Blättern
Wie Blumen im Wind;

Und wissen nun, was Schmerzen sind,
Die nicht im eignen Körper sind,
Sondern hineingezaust
Durch wilden Wind.
Und sehnen das leise, stille Glück
Der holden Kinderheimat zurück . . .

AUSEINANDERSETZUNG

Placenta!
An der Weheschnur
Häng ich aus dir ins Leben hinein
Und
Möchte doch nur Ich-selber sein,
Gross, unabhängig und allein!
–   –   –   –   –   –   –   –   –  
Werd ich immer nur ein Kind Gottes sein
Und ein Kind der Natur?
–   –   –   –   –   –   –   –   – 
Einmal bist du für dich allein
–   –   –   das dürre Blatt
Das weder Kraft noch Halt mehr hat
Und schrill
Vom Lebensbaum, vom Lebenstraum
Aus eigner Welt
Entsaftet
Auf die fremde Erde fallt . . .!

DIE BEHÜTETEN FRAUEN

Ihr Männer, haltet schützend eure Kraft
Als blankes Schild vor unser Leben.
Nur was den blassen Glanz
Auf zarten Wangen schafft,
Ist uns von euch gegeben.
Nur was das Augenleuchten sanfter macht,
Soll in uns beben –   –
So wollt ihr es!
Ihr seht uns gern mit steilen Engelsflügeln
Die zagen Finger andachtsvoll gestellt
– Träumer ihr selbst! –
Vergesst ihr denn, dass wir aus heissen Säften sind
Und jähes Blut durch pralle Adern rinnt!
Dass ja dem weltentrückten Kind,
Das ihr euch schafft.
Der Brüste straffe Hügel wunschverratend stehen
Und noch die zaghaft-zarten Träume
Ihre Spitzen schwellend höhen . . .!

DEM ANGEBETETEN

Versprühe Küsse auf meinen Leib!
Ich bin ein klarer Teich,
Auf den die Sonne scheint
Eine Blume, die blätterdehnend
In lauen Lüften träumt.
Ein Stern, der selbstvergessend
Auf dunkler Erde hellend scheint.
Versprühe Küsse auf meinen Leib –:
Nur wenn ich dich denke,
Werd ich Weib . . .!

DER SAME

Ein Same hat in der Erde geträumt:
Ich will die Welt
Von allem Bösen erlösen.
Und ist aus seinen Rändern übergeschäumt
Und Keim geworden.
Der Keim
Zog den hervor, der ihn trug.
An langem Stengel schwankte Blättergrün
Doch in der Erde dunklem Bug
Träumt der Same, schon ganz erschöpft
Und verändert:
Ich will die Welt
Von allem Bösen erlösen.
Da schwoll es in den Gefässen empor,
Glanz lugte als Blüte oben hervor
Und war Schönheit geworden!
Eines Falters leises Flügelgeflatter
Küsste sie wach –
Die Blume sprach:
Wie soll ich die Welt erlösen?
Ich bin so schwach
Und der Himmel ist so weit!
Doch der Himmel sprach:
Ich sehe dich, ich sehe dich!
Drum bin ich heute so blau,
Wie die Augen einer seligen Frau.

FRAGE

Hat mein Deingedenken
Nicht einen Rausch in dein reiches Blut getragen?
Über dessen heisse Früchte
Andere der Erfüllung selige Ernten hielten,
Während ich, erkrankt an dem Ungestillten
Verdammt zum Sehnen, meinen weissen Tag versenge – –

ZARTE LIEBE

Du gingst nach deiner Liebsten aus –
Die Nacht
War es so dunkel –
Da stand ich als Flamme
Vor deinem Haus
Damit du heil zurückkommst . . .
Und
– ich bin ganz verbrannt . . .

AEROPLANFLUG

Komm hinaus der Abend lockt
Lass das Unkengeschwätz
Vöglein und Blumen seien unter uns
Die Ärmlich-Lieblichen
Die Himmelstiefe lockt
Dort oben steht der Mond
Rennst du ihn?
Sollte es gelingen?
Dort leuchten fremde Welten
Eine Wiese voll Licht ist oben
Und Urweltgrauen inzwischen
Dort lass uns dann wie irre Nachtinsekten schweben
Und wenn wir müde sind, am Rand der goldnen Blume landen.
Hoch – hoch – oben . . .

ÜBERSCHWANG

Mich zerreisst die Sehnsucht nach dir! Berstet Wände!
Sturm trag mich zu ihm!
O Süss – Einziger, sei da, nimm mich hin!
Nur einen lichten Morgen, nur eine helle Stunde –
Denn
Wo du nicht bist, ist Nacht und Hölle!
Schau!
Wie ein Kind, wie ein Kind nur
Angehuschelt zu deinen Füssen sitzen
Und zu dir hinaufsehen, wenn deine Worte mich anwehen
Demütig – gläubig
O – wie gläubig deinem Werk!
Wie eine Schwester nur
Hand in Hand über schimmernde Wiesen gehen –
In deine Augen lauschend sehen,
Und stolz auf dich sein.
Wie eine Mutter liebend – sorgend dich betreuen,
Und fürchten, dass du sorgsam – selbst dir bist!
Der grösser, als andere ist!
Nein! auch
Wie die Liebende
Dem süssen, süssen Geliebten
Jauchzend in die Arme fliegen –!
Und – in Jubels Überschwang –
Ihn küssen – küssen
Den ganzen lieben Körper entlang!

FIEBER

Einziger Mann!
So geh nicht von dannen –
Meine Füsse zittern,
Meine Brüste spannen!
O wüsst ich ein Wort
Dich zu halten!
Mein Leib steht in Flammen,
Wüsst ich die bange Bitte
Dir zu gestalten!
Es schnürt mir die Kehle zusammen!
Fiebergewalten
Drängen und wehren –
Wär ich von dir im Arm gehalten,
Süssester Mann!

MENSCHWERDUNG

In die Bucht des Schweigens
Lass Leib und Seele überfluten,
Ich bin das Tal der Sehnsucht
–   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –
Aus der Schönheit deines Herniederneigens
Soll mein Verlangen in ein neues Sein verbluten.

TRENNUNG

Ein Blitz wollt ich sein!
Feuriger Weg über die Ätherferne
Damit er mein gedenkt
In Sternenferne.
Blendender Weg in dein Blut hinein!
Natur, Holdwilde!
O leih mir deiner Kräfte Geheimnis
Gib mir den schattenlosen Weg des Lichtes frei,
Trag mir mein Flehen auf deiner Tonwellen
Dunkler Raserei!
Sei da, trag meiner Seufzer buntes Farbenbett
Zum lebensreichen Ultraviolett,
Gib her die Welt,
Sprüh Funken, sende Licht!
Rolle Melodien!
Zieh seinen süssen Blick heran!
Auf Knien
Bitt ich dich,
Du kräftereiche Spenderin!
Mach, dass sein hold Gedenken
Sich mir herüberdreht
Und seinen scheuen Weg
Leise, leise
Zu seinem Herzen geht.

HOHE ZIELE

So leg der Einsamen,
Die einsam ist und bleiben will,
Den Trost an die bange Brust,
Denn ich hab nicht ein ganzes Leben
Zu verschenken, vergeuden, vergeben
Nur Stunden darf ich der Seligkeit leihn,
Die Jahre muss ich der Menschheit weihn.
– Ich will ihnen zeigen
Wie man ein Weib
Und würdig ist;
Damit sich nicht immer ihr Schmähn
An unserem Geschlechte vergisst.
Als Herrin steh ich stolz vor Andern.
Vor dir, dem grossen Besten als demütig Weib.
Schenk deinen Segen
Meinem Leib!
Mach mich wieder stolz und gross!
Damit mein Schicksal sich vollende,
Leg die Erfüllung in meinen Schoss!
Dich, dich lieb ich
In der ganzen Welt allein!
Mein treues Gedenken
Wird ewig-sonnend um dich sein –
Doch einsam muss ich bei Werk und Arbeit bleiben.
Vieles ward mir durch dich bewusst –
Des Lebens Ernst in jeder Lust –
O leg mir nun den Trost
An die bange Brust.

Dann wird der kleine Säugende
Beschützter und Beschützer sein.
Lass es so sein!
Mutter, Kind und Welt
Miteinander-schaffend allein!

EINEM GROSSEN

Du grosser Mann
Schau, wir sind Arme nur
Denn wir sind nicht die Schaffenden!
Nur Weg-Geleiter des Grösseren
Auf seinem Gipfelweg!
Aber Klugheit fehlt uns nicht,
Auflassend zu begreifen,
Was deine Kraft vermocht!
So lass uns denn zu deinen Seiten gehen
Mit bunten Fahnen winkend wehen!
Den Augen, die nicht fassen,
Alles sich entgleiten lassen
Durch die bunten Zeichen deuten
Neigt euch nieder;
Ein grosses Schicksal geht vorüber!

EINEM SCHÖNEN

Auf Rosenblätter will ich seinen Namen und sein Leben hauchen,
Damit die Nachtigallen, wenn sie mild in schwüle Düfte tauchen,
Sein Lob aus allen Zweigen klingend singen –
Und ihm die Liebe einer Welt erringen!

SEINE STIMME

Seine Stimme ist ein weicher Cellogesang,
Der samtne Wände entlang
Durch offne Scheiben über
Dämmernde Garten gehaucht
In duftende, dunkle Nachtviolen
Untertaucht . . .
Seine Stimme ist das Schmeicheln
Schöner Frauenwangen,
Über deren heissem Glück
Noch zitternde Tränen hangen.
Seine Stimme ist die weiche Güte,
Die man für Götter erträumt,
An denen alles,
Was schön und gross und selig,
Aus purpurnen Seelen
Ins warme Leben überschäumt . . .

AUF DER STRASSENBAHN

Wir standen gedrängt auf der Strassenbahn
Eine Mutter und ihr helläugiger Sohn.
In Frühlings-Dämmerluft ging es bergan,
Im Licht verflimmerte der Perron.
Die Mutter und ich gefielen uns nicht,
Wir sahen uns feindlich an,
Sie hatte ein hämisches rotes Gesicht.
Doch ihr Junge lugte mich freundlich an.
Er glich seiner Mutter kaum
Sein Inneres schien schon reich –
In seinen Augen lag der Traum –
Und seine Wangen waren wie deine bleich.
Sein Blick war wie deiner weit und wund,
Als lauschte er viel in sich hinein –
Ich küsste ihn auf den Kindermund,
Und dachte dein –
Und senkte die Augen in seine hinein –
Eine kurze Sekunde voll Glück
Segnete still sein Kindersein
Und sann an mein einsames Los zurück.
Wie grausam man einst im Elternhaus
Die Jugendpracht dem Willen des Greises gab:
Dass der goldne Ring von Eisen war,
Bis ich ihn wild zerbrach.

Die Tränen störten mein Augenlicht,
Ich schämte mich und sprang in den Wegesand
In unbewachte Nacht hinein –
Und fern – und – ferner winkte die Kinderhand . . .

SOMMERABEND

Das ist die Zeit der hellen Nächte,
Der Sommer ist zu dicht gedrängt,
Aller Himmel ist so laubverhängt
Die Blumen lehnen in den Weg hinein
Und wollen in Wanderers haltenden Händen sein.
Käfer kriechen das Gras entlang,
Vögel flattern schwer
Von Ast zu Ast.
Den Zweigen sind alle Blätter Last,
Der Seele wird allein so bang.
–    –    –    –    –    –    –    –    –    –
Auf Frauenstirnen
Liegt des Sehnens blauester Schleier,
Alles rüstet zur Abendfeier.
Uber klarer Quelle
Ruht bewegt die schillernde Libelle,
Geheimnisvoll wie ein Frauenblick . . .
Doch der Sommer
Kennt die Träume nicht,
Nur packendes Leben.
Glücklich schon, deren Leib
Unter geliebtem Herzschlag beben!
–    –    –    –    –    –    –    –    –    –
Nur die Sehnsucht
Hat noch ihr Frühlingsgewand
Und zieht es mit leiser Hand
Über verträumte Augen –
Und will den Sommer nicht schauen
– Wendet sich scheu ab dem Nahen
Und glüht begehrend ins Blaue
Der Ferne . . .

LIED AN DIE MENSCHHEIT

Alles lebt uns nur im Fluche der Erscheinung,
Die Sonne ist bald da – bald weg –
Welten sind die Sterne und haben Rhythmeneinung –
– Ich sehe sie als fernen, gelben Flimmerfleck.
Was hab ich sonst auf Erden hochzuhalten,
Als meines Kummers Ebenbild, den Bruder-Menschen – dich!
Aus uns muss alles sich dem Traum gestalten,
Der länger lebt als du und ich!
Und will ich endlich selig trunken sein,
Enthoben aller Rätselabwehr weher Pein,
So ruf ich Blutgerufener dich!
Und Leib an Leib und Aug in Aug versenkt,
Der Liebe Hauch in Hauch, ist Erdenleere lustertränkt
Und selig blüht ein heitres Leben auf!
Erfüller du, in dem des Lebens Kreis sich schliesst,
Und Wonne, Freude, Hoffnung sich dem armen Sein ergiesst!
So zeugen stumm der Erde lange Erbenketten
Die Schmach des Stets-uns-neu-Versagten!
Und unsern neugebornen Mut, in Liebe uns zu retten,
Bis wir in jenem süssen Augenblick Erlösung finden,
In dem wir reicher als die Sterne sind . . .

DEMUT DER LIEBE

Und weil du gar so hoch und herrlich bist,
So heb mich empor zu deinem Kuss.
Ich möchte soviel
Und ich kann es nicht,
Weil ich Weib
Und schwach bleiben muss.
Doch wenn du es willst,
So werde ich gross,
Dann blüht dein Glanz
Aus meinem Schoss.
Mein Leib soll nichts als die Wiege sein,
In der das Werden ruht.
Von dir sei all seine Herrlichkeit
Und dein stolzes, wildes Blut . .!

WEIBES-ENTSCHLUSS

Hinweg aus jener Sklavenkammer!
Ich will mir neue Höllen schaffen
Und neue Himmel sollen meiner Sucht entgleiten.
Vieltausend bunte Seligkeiten
Und Ängste mir zusammenraffen,
Und drüber Horizonte bauen,
Purpurn oder blau und ultraviolett . . .
Über Trümmer alter Kruzifixe
Und müder Götzen sollen meine Füsse schreiten,
In tausend glitzernden Heiterkeiten
Will ich den alten Wahn verspotten!
–   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –
Ekstatisch meine Arme breiten
Nach unsrer sonnenreichen Welt,
Der Licht und Dunkel
Schwesterlich gesellt – –
–   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –
Männer!
Ihr könnt nicht alles geben.
Dürft uns nicht alles sein! –
Nicht nur das Weib in uns soll Schicksal halten,
Auch alles Menschlichste will sich entfalten – –
Und jede ruft: Auch mein ist es! –,
Das heisse Recht auf Leben!

MIR IST ES –

Mir ist es, der Vorhang wogte leise,
Als schiebt ihn eine Hand beiseite – – –
– Als käme ein linder Klang in mich
Aus ferner Weite –
Sind nicht zwei Lippen über meine Augen gegangen
Küsst nicht ein warmer Hauch
Die Tränen von meinen Wangen?
Hat nicht die eine, eine Stimme der Welt
Mir linde gesagt: du armes Blut,
So weine doch nicht,
Ich bin dir dennoch gut!

DEM EINEN

Du bist so schön,
Ob du sinnst oder lachst,
Dass du zittern machst!
Verzeih der Schwachen,
Die sich ganz in dir vergisst,
Weil du so wunderbar und köstlich bist!
Jedwedes Leid wollt ich künftig ertragen
Wär es über ein Glück an deiner Brust gegangen!
Alles Arge wird nur kleinlich sein –
Hat mich endlich dein Arm umfangen!
Kosend möcht ich meine weichen Wangen
An die deinen legen,
Bis leise suchend Lippe an Lippe haucht
Und dein brennender Mund
In meinen taucht!

MELANCHOLIE

Versunkenes Sehnen –
Zerbrochene Kelche,
Vergossener, ungekannter Wein
Und
Ungetrunkene Lust – –!
–   –   –   –   –   –
Die Blätter fallen, –
Zerflatterndes Gefühl –
Die Pein
Verseufzt:
Dir schien das Weib zu wenig
Und der Freund zuviel!
–   –   –   –   –   –
Die Säfte sinken in sich selbst zurück –
Bald wird es Winter sein!

NÄRRISCHE STUNDE

Der feuchte Herbstwind zieht durch graue Gassen,
Im Zimmer stehen schmerzbewegte Blumen
Wie fremde Kriegsgefangene,
Die Fenster stehen als schwer verhangene,
Doch innen ist es licht und warm.
Eine Frau – noch jung –
Also nicht mehr ganz jung –
Aber närrisch wie ein Kätzchen
Tollt ganz allein durch den Salon.
Und singt ihrem Spiegelbild zu:
Ich will nicht allein sein –!
Sieh mal, da bist du ja! –
Da sind schon zwei da – – –
Beim nächsten Spiegel sind es drei –
Und vier und fünf –
–   –   –   –   –   –   –   –   –
Bald ist der Raum ganz voll von fremden Damen,
Die alle mit mir tanzen kamen.
–   –   –   –   –   –   –   –   –
Na, ihr hebt die Röcke aber gehörig auf,
Und eure weissen Brüstchen sieht man auch!
Schämt ihr euch denn nicht solcher Sachen?
Das wollt doch ich nur alleine machen!
Trillala – Trallala –
Köpfchen hin und her,
Füsschen tripp und trapp und auf und ab
Trillala – Trallala –
Ich glaub, das Weib ist zum Tanzen da!

RASSENART

Sie kennt die blasse Liebe nicht
In ihren Adern fliesst das heisse Blut
Der Spanier und Magyaren
Und kriegswilder Bojaren
Ihr ganzes Leben ist nur Glut
Ach, wenn er sie nur einmal küsste!
Wenn sie ihn denkt, so zuckt ihr Schoss,
Es spannen ihre Brüste
Ihr Blut sehnt ihn so namenlos –
Ach, wenn er’s wüsste!
Hitzwellen umkreisen ihren Leib
Nur einmal aufstöhnen in banger Lust
An seiner Seligkeit
In seines Leibes Umfangen
Und die heissen Fieberwangen
An seine legen . . .
Und sich hineinküssen in seinen Mund!
Ach schöner Mann giess dein heisses Sein
Ihrem wilden Herzen ein
In dieser greisenbevölkerten Welt!
Das Leben ist so kurz!
Der Frühling kam vor Sehnsucht wieder –
Vögel flattern an – Blumen duften –
Erhitzte Frauen singen bleiche Lieder –
Sonnen verbrennen . . . Sterne versprühen . . .
Lass Pfaffen beten und
Greise fluchen!

FASZINATION

Du bist berauschend
Wie die blassen Hyazinthen
In schlanker Vasen
Bleichem Perlenglanz.
Das Blut verliert die Einfalt,
Wenn es dich erbebend fühlt
– Jeder Halt
Ist weg;
In Terzen, Quinten
Girrt es durch Adern,
Die wie Saiten sind
Zur Liebe heissem Qualgesang
–   –   –   –   –   –   –   –   –
Du duftest

Wie die blassen Hyazinthen
Verwirrend in mein Sein hinein!
O tauch die Blutgier deiner roten Lippen
In meine weissen Brüste ein . .!

MENSCHENLOS

Alltäglich muss dem Lebensvollen
– was sich nicht halten kann –
Entgleiten –
Seufzend ins Ungewisse hinüberrollen
Stets ist ein Sterbensschrei
Von tausendfacher Lust umtönt.
Was müde, matt gewesen,
Zersinkt in Schluchten der Vergangenheit
Dem Nichts zum Frass gegeben,
Was schert es mich?
Ich bin mit lachender Stirne geboren
– Und starken Herzens –
Ich furchte die Gespenster nicht.
Unheil vergisst sich –
Wirf Unwertiges hinab
Ins Massengrab
Des einst Gewesenen.
Und alles Frohe lass uns schnell
Zu hellen Kränzen binden,
Damit es nicht am Weg verloren wird.
Ins Heut will ich versonnen sein! –,
Das tausend Leben aus mir selbst gebiert
Und frohe Seile nach den Sternen schnellt
Und jauchzt! –: Welt!
Ich bin – es wird!
 

ICH LIEBE DICH

Ach! das alte sakrale Wort! –
Das ich mich scheue zu sagen
Selbst wenn ich die Brauen hochgezogen,
Der Augen Lider versonnen herabgesenkt,
Mit mir allein bin –
–   –   –   –   –   –   –   –
Nur, weil die Stimme weicher wird –
Wenn ich dich denke –
Nur, weil das Blut den Wangen entsinkt,
Wenn ich dich sehe –
Denk ich – es sei wohl so –
Nur – weil ich so tief
–   –   – so wunderglücklich bin
Wenn deine Stimme klingt
Und all mein Wesen jubelnd
Dir entgegensingt –   –   –   –

SONNE

–   –   – Sonne!
Streichle die Welt!
– Sie ist so schön!
Sieh ihre schneeigen Firnenhöhn
Ihre blankglitzernden Wassergänge,
All ihre frohgrünen Bergeshänge
Buntblumig überblüht
Und aller Augen Sternenglühen
Nach dir hinauf!
Tu deine Strahlen auf,
Streichle die Welt!
Sonne! –   –   –
Sie ist so schön!

SEUFZER AN DEN EINZIG-GELIEBTEN

Und ist der Tod mir da
Fern – oder nah –
Ich will ihn lächelnd grüssen
Denn ich sterbe leicht –
Mit deinem süssen, süssen
Namen aus der Lippen
Letzten Hauch
Löscht mein schwaches Leben aus. –   –

HILFLOSER SCHMERZ

Sein fernes Gedenken
Hat sie verlassen –
Sie irrt so planlos durch die dunklen Gassen,
Von ratlosem Leide tief bedrängt –
Zwei finstre Gesellen
Lauern ihr auf
Und wollen ihr Fuss stellen:
Der Wahnsinn und der Tod!

VERIRRTE SEELE

Ich hab solche Sehnsucht nach dir!
Komm, sei lieb!
Komm heimlich zu mir!
Der Tag will nicht dunkeln,
Die Nacht bleibt zu grell,
Meine Augen funkeln
Den Weg dir hell.
Ich hab so wilde Sehnsucht nach dir!
Es soll nicht sein,
Ich weiss es wohl –
Aber es ist! – und ich vergehe vor Pein!
Leg ich das Feuer in mein Blut hinein?
Nein, nein!
Alle Flammen der Welt sollen sein!
Ich hab so süsse Sehnsucht nach dir,
Für einen Kuss von dir.
Geh ich hinaus in die Welt . . .
Und bleibe allein . . .
Soviel gute Gedanken hab ich für dich
Als der Himmel Sterne zählt!
Ich hab so brennende Sehnsucht nach dir!
Komm, wie du magst,
Mit deinem bleichen Erlösergesicht
Oder dem Faunslächeln, von dem ich träume –
Nur säume –
O, säume nicht! –

DEM EINEN INS OHR

Ich schaue nicht zurück
Und juble nur
O welches reiche Glück: –!
Ich bin ein Weib
O du! o du!
Mann, Herrlichster, Blutgerufener –!
Küss mir ein Englein in den Leib!

DER LEITSTERN

Wenn alle Türen geschlossen sind
Alle Fenster ohne Licht und blind,
Die schweren Geheimnisse der Menschen
Nachtversunken sind.
Dann komm ich ganz als zages Kind
Nur von dem heiligen Stern
Der auf dein Haus hiniederblinkt
Geleitet
Wessen Gebet und wirre Glut im Sinn
Königin und Bettlerin
Und will
Die Augen glanzgeweitet,
Meine Angst, all mein Erhoffen sammeln
Und leise, leise dir ins Ohr
Die glühend-bange Bitte stammeln: –!
.  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .

MOMENTAUFNAHME

Akkorde haben sich aufgetan –
Der Glanz der Welt steigt in die Sterne auf . . .!
Vom Berg hat sich ein Lied gelöst –
Tief unten steht lauschend im Kahn
Die Liebe –, und fangt es auf . . . – –

LIEBESGESTAMMEL

Deine Seele ist scheu und zart
Wie dein weisses Orchideengesicht,
In deinem Geiste ruht
Des Jahrhunderts hellstes Licht!
Dein Leib ist Stahl und Energie
Wie dein starkes Leben!
Dein Blut – o gib, was es verspricht:
Lass mich selig
Unter deinen Küssen beben . . .

GEWALT DER LEIDENSCHAFT

Gib mir ein Kind!
Gib mir ein Kind!
Du weisst ja nicht,
Dass Schmerzen, für dich
Ertragen,
Noch Seligkeiten sind.
Und muss ich dran sterben –
Es ist gleich
– ist gleich!
Bin ich nur Die,
Die ein Kind dir gab!
Neun Monate war
Ich dann gebenedeit
Und trug
Das Gnaden-Schmerzenkleid
Des Weibes!
Neun Monate
War ich dann gebenedeit
Und hielt deines Leibes
Heiliges Blut!
O gib mir ein Kind,
Deiner Säfte Kind,
Das in meinen Lenden ruht.
– Gib mir ein Kind!
O sei mir gut!

TIEFE DER WELT

Weit ist die Welt,
Aus vieler Buntheit zusammengestellt.
Der Hunger, der Geist,
Die Blume, die Wolke,
Das Laster – die Sonne . . .
Alles ist einer Ernte bestellt,
Alles kann Früchte geben –
Alles zum Segen leben.
Sinn der Welt –:
Tiefe der Welt!

IM TÊTÊ-A-TÊTÊ, LEISE LEISE ZU SINGEN . . .

Warum sprechen?
Wo Singen soviel leichter und schöner ist?
Warum gehen?
Das müde macht,
Während Tanzen durch selige Augen
In die Herzen lacht?
Warum flehen oder trotzig sein? –
Wo Küssen so süss ist und so trunken macht?

TELEPATHIE

Du denkst an mich –:
Das graue Elend wird wunderlicht!
Du sehnst dich nach mir? –:
Da schiessen
Aus dürren Sträuchern die Rosen auf!
Da wehen Narzissendüfte herauf –
Mit Nachtigallenstimmen redet die Nacht. . . . . .
Du hast ja gefreit
Du nahmst ein Weib,
So kann ich die Deine nicht sein
Behalte sie nur – dein Erdenbeschwer!
Doch bleib ich bei dir
Doch komm ich zu dir: . . .
Weichstreichelnd zu dir,
Und schliess dich Blauhimmel
Weiss-wolkenhaft ein
Und bin deine Nacht –
Deine zitternde Nacht –
Damit du das Weh,
Damit du die Last
Des Lebens verkläret hast. . . . . . . .

DER ORGELSPIELER

Die Sonne ist schon aufgeblüht –
Auf blauer Himmelswand,
Ein Wunderlächeln glüht
Aus Tönen ins weite Land . . .
Alle Nebel fliehen
Fort wie falscher Wahn,
Der Mann an der Orgel
Hat lichte Melodien
Zur Pracht des Lebens aufgetan,
Da lauschen ferne die Frauen
Und falten Hand in die Hand.
Alle Nerven zittern und beben
Unter dem strengen Gewand.
Der blasse Orgelspieler
Verströmt sein heisses Wesen
In flutende Akkorde –
Er spielt:
             Ich
             bin Herr über Gott und Leben,
             Über Feinde und unsere Zeit.
             Meine Stimme ist das Lied,
             Bei dem die Frauen erbeben,
             Mein Blick
             Gibt sie alle in meine Gewalt!
             Doch sind sie mir nur süsser Scherz!
             –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –                              
Ich leb im Glanz der Einsamkeit!
Mein Wille! –:
Schütze mein starkes Herz!

FLÜSTERWORTE

Ich bin nur ein Kind,
Aus seligem Traum geboren –
In lärmende Welt hinein verloren.
Es hatte wohl Einer
Mein Blut mir erlöst –
Doch gefiel mir noch keiner
–  –  –  –  –  –  –  –  –  –  –
Ich habe dich einmal gesehen
Und weiss nicht warum – aber
Ich möchte die Steine streicheln
Wo deine Füsse gehen – – –

DIE DIRNE

Eure Lüste sind über mich hinweggegangen,
Und keiner noch war mir erkoren
Als Beschützer, Berater und Freund,
Warum bin ich in die Schande verloren,
Unter der Sonne die auf alles scheint?!
Hat nicht auch mich eine Mutter geboren?
Männer, was hab ich euch Argen getan?
Männer, was habt ihr mir Armen getan!

TRAUMESNÄHE

Nur unser Traum ist nah
Und fern ist uns die unserem Auge
Nahgerückte Welt.
Was nicht Gedanken,
Was Blut selbst lautlos-rauschend
Tiefdringlich uns erzählt
Ist da –
Nur was wie schmerzgesenkte Lider,
Der Dinge deutliche Aufdringlichkeit
Uns ferne hält –
Ist unsre wahre Welt . . .

HINSCHMIEGEN

Angebeteter Mann!
Meine Augen möchten an dir hangen,
Wie der Sommer an der Sonne hängt!
Meine Lippen sehnen deine Wangen, –
(– rote Rosen weissem Marmor angedrängt –)
So gut ist mir, wenn ich dich denke,
Ich möchte dir ganz nahe sein,
Zu deinen Füssen sitzen,
Deine Hände halten
– – – dem starken Walten
Deiner grossen Seele hingegeben:
Dich fühlen – heisst ja leben!

DEM EINZIG-GELIEBTEN INS OHR
Wie bist du mir angenehm!
Deine Züge sind so schön
Und brennend deine Augen
. . . ich kann nicht widerstehn!
Ich berge ratlos mein erglühendes Gesicht
In Beben
An deinem Hals –
Verurteile die Liebend-Schwache nicht!
So süss ist Liebe –   –
–   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –
Und kurz das Leben
Und ach!
So lange, lange ist man tot . . .

EINSAME NÄCHTE

O diese leeren Nächte,
Jenem weggenommen –
– dir bereitet,
Wo alles Sehnen machtlos
Meinem Sein entgleitet –
Und nach dir Fernen überströmt –!
Die Augen funkeln glühend durch die späte Stunde,
Der Brüste straffe Hügel schmerzen,
Des Leibes weisse Blume bebt im Fieber.
Ein Weh steigt tosend aus dem Herzen
Ins wilde Blut . . .
Deines süssen Namens Laute
Auf meiner Lippen hochgeschwellter Runde –
So treib ich willenlos
In meines Sehnens aufgeschäumter Flut . . .

ERSEHNTE SELIGKEIT

O war das Lager uns bereitet,
Von gleitender Seide linnenhaft umspannt . . .
Läg deine blasse, kühle Hand
Mir kosend
Um den Hals gebreitet –
Und wären unsre Lippen
Purpurrosenhaft geeint . . .
Ersehnte Seligkeit, die ich nicht kenne!
O wühlte deiner Sehnsucht Flamme
Meinen Körper aus,
Bis ich verbrenne!
–   –   –   –   –   –   –   –   –
Süsser, Süsser!
Fach mich an und – lösch mich aus!

EIN AUFSTRAHLEN –!

Du bist meines Lebens
Halt und süsser Sinn,
Mann der Sonne!
Wonne
Reisst mich hin . . .

TRIUMPH DES BLUTES

Der breite Strom ist zugefroren,
Zwischen grossen Schollen müht sich müd
Ein leises Wässerlein und kann nicht mehr.
Die Bäume sind kahl und blätterleer,
Der dürren Äste Zwischenräume
Umhüllt das Eis.
Keine Vogelträume
Erfüllen laue Luft!
Gruft
Geworden ist die Welt!
Erschlafft ist jede Kreatur
Die Vögel sind fortgezogen
Mit dem blauen Firmament.
Die Tiere sind tot in der Winterzeit.
Vorbei ist alle blumenhelle Heiterkeit.
Doch ich hochwohlblutgeboren
Habe fliessende Flammen in den Aderschächten.
Das Wasser friert zusammen,
Aber Blut glüht auch in Winternächten
Und während Natur verarmt,
– – uns keine Blumen zu geben weiss
Und alles tot vergraben im Wintereis,
Flammt es in mir
Zu brennendem Glühen
In die tote Natur hinein:
Mögen Kinder blühen, mögen Kinder blühen
Einen stolzen Frühling in dies Eis hinein!

DIE STADT DER QUAL

–   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –
–   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –
dort hängt der Himmel bleischwer
In das Land hinein.
Kein Lächeln blinkt aus einem Haus,
Jedwedes Tun bedrückt so sehr!
Kein Hoffen lindert schwere Pein
Und macht die Arbeit leicht.
Die schwere Luft will nicht
In träge Lungen hinein . . .
–   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –
–   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –
Die Flüsse dünsten Fieber aus,
Und Pech und Schwefel stülpt die Täler heraus,
Verwimmerndes Seufzen füllt die Luft –
Und
Die Berge ruhen auf den Menschen aus . . .!

DER GROSSE UND DIE KARYATIDE
 
I.

Der Grosse:
Kreuze die Hände über der zarten Brust
Damit sie nicht Schaden nimmt!
Und beug dich ein wenig,
Und dann legen wir dir
Die Last des Lebens auf
Und der ganzen Welt!
Nur dir allein!
Was unmöglich ist,
Vollbringe!
Bezwinge,
Was unerträglich erscheint!
Lerne tragen, o Weib!
Aber darunter verbrenne
Im dunklen Prunk deiner Seele,
Wie das Sterneninnre im Feuer verglüht.

II.

Die Karyatide:
O Grosser
Sieh doch das helle Frühlingslicht,
Befreie mich von der schweren Last
Sieh, wie ich zu deiner Kraft bettle!
Ich trage lange, bange Jahre,
Nimm meine Last mir ab!
Die Steine drücken,
Wirf sie mit harter Hand der Kraft
Herab – –
Und ich bin götterfrei,
Nichts weiter bitt ich dich!
– – – nur dies –
Denn meine Arme sind zum Umfangen geschaffen
Ich weiss sie süss um geliebten Hals zu legen
Ich kann gar sprühend müde Sinne wecken,
Dass sie sich aller Lust des Lebens recken.
Ich kann singen und zärtlich sein,
Bald ernst – dann wieder voller Schelmerei.
Bald kann ich schwatzen –
Dann wieder versonnen sein
Und Zorn besänftigen
Und Nerven glätten.
Und mit tausend Blumenketten
Gedanken umranken,
Sieh, ich bin hier
Lasttragend angekettet
An unwürdig Los.
O Grosser,
Tu mir den Mühlstein
Vom Nacken herunter
Und ich will frei, stolz und allein
Mein Leben aufrecht tragen,
Und selber mein Schicksal sein . . .!
 

DER ÜBERMENSCH

Seht ihn an, dies Bild edler Kraft!
Schaut, wie das Leben ihn schön gemacht!
Er hat selbst das graue Elend gekannt
Und hat es bezwungen.
Er ist Sieger über Unglück und Menschenseelen,
Er richtet sich nach niemand,
Denn er ist ja Vorbild!
Eine Kraft geht von ihm aus,
Ein Glanz liegt in seinen Augen,
Er hat sich den Sieg der Welt errungen,
Und nützt ihn für die ganze Menschheit aus.
–   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –
Der zum Selbstmord geht und ihn sah,
Will wieder leben
Und stärkender Hoffnung
Aufatmende Lust
Zieht wieder
In müde Menschenbrust!
–   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –
Schaut den Übermenschen an,
Dann ist euer Leid klein geworden.
Sein Weg ist strahlend über die Erde zu gehen I
Neuer Zeit den Weg zu bereiten,
Wirre Menschheit im Schutz der Gesetze
Klug zu geleiten
Und im Wiederfinden von eignem Vertrauen
Auf Erden irdisch euren Himmel zu bauen.

SINNENGLUT

Nachtgebet aller reifen, einsamen Frauen:
O Schande dieser leeren Nächte,
Aus denen niemals Kinder blühn!
–   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –
–   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –
Der unsterbliche Geist:
Feuer, Vorrecht leuchtender Sternenwelten
Gab ich der Erde nicht,
Nur das Wasser der Meere,
Und das Meer der Tränen.
Doch weil der Glanz der Frauen so herrlich ist,
Dass ihn die Sterne neiden,
Legt ich in der Menschen Ineinandersprühn
Himmlisches Feuerglüh n,
Doch der Mensch, – unwert des Glückes, –
Hat es gemein gemacht.
Chor der Ehefrauen:
Heuchler, Mucker,
Krebsgeschwür der Welt,
Alles Schöne wird uns nur
Durch euch vergällt!
Ihr seid die ekle, dunkle Fliegenspur,
Am weissen Hochzeitskleide der Natur!
Euer unsaubrer Geist hat Reines unselig gemacht
Wie soll das süsse Umfangen unrein sein,
Aus dem uns schon
Das Gotteslächeln des Kindes lacht!

DAS ORATORIUM

Ich sass verloren in der alten Kirche –
Und hübsch verborgen,
Denn ich bin scheu.
Die selige Stimme der Jungfrau Maria sang –
Die Harfen waren klingende Zauberschleier,
Die Violinen zitterten zur Gottesfeier,
Als brausend die Orgel erklang.
Ich dachte an dich, du Führender –
War’s Wahrheit oder Traum?
Ich wandte den Kopf
Zur Orgel empor,
Du tratest mit leisem Schritt hervor
Und stiegst heran,
Und standest hinter mir.
Du sahst mit glänzend tiefen Heilandaugen
Herab auf die Welt, auf mich.
Dein Mund der roten Liebe war’s
Und deine steilen blassen Wangen,
Der Weg der Lider streng und hart,
Doch voller Zärtlichkeit die Augenecken,
Als könnten sie alle Güte wecken.
Es war dein voller, weicher Bart,
Der sich so kosend um die Lippen schwingt,
Als wollt er an der Stimme lauschend hangen –
Es war die Art, wie du den Mund herunterziehst,
Die all dein seltnes Lächeln uns so lieblich macht
So standest du in Pracht,
Mit all den vergeistigten Zügen,
Die gar zu oft mein Inneres sah.

Ich wagte nicht, mich nur zu rühren
Und nicht den Blick zu dir zu fuhren,
Doch all mein Sehnen rief dir zu:
O Grosser, spiele du, o spiele du!
Spiel uns dein Lied vom lichten Leben
Von Kraft, Vollkommenheit und Macht
Und wie man Grosses mit eigenen starken Händen schafft!
Spiele das rauschende Lied der neuen Zeit
Und Auferstehen der Menschen
Und von der Rasse stolzer Sieger
Du Promethide!
Die Welt war nur ein weites Grab.
Spiel uns das Licht vom Himmel herab,
Als neuer Erlöser in Arbeit und Kraft!
Die Stimme der Jungfrau Maria sang,
Allen Frauen und Mädchen wurde bang,
Als hätte man ihr Herz verführt
Und an ihr Innerstes gerührt.
Deine verklärten Augen sehen lang
In den bunten Wirbel der Menschen hinein.
Als des Schlusschors grandiose Macht verklang,
Da verschwandest du aus dem Raum
Durch eine Tür, die noch niemand ging,
Hinaus in die Welt, in Arbeit und Leben – –

MUTTERSCHAFTSVERLANGEN

Ach wär es doch!
Wenn ich so durch lange Strassen ginge
Still und ganz verträumt in mich –
Alles lose um mich hinge –
Unter Rock und Mantelfalten
Noch dem Blick entfernt gehalten –
Was ich Süsses ahnend weiss:
Dass ich eins nun mit den Sternen bin,
Die aus dunklen Glutgewalten
Neues Leben uns gestalten!
Niemand wüsste, was ich trage,
Niemand ahnte den geheimen Sinn,
Was meine Röcke wie ein Tempelvorhang heilig halten:
Dass ich die tragende Monstranz für neues Leben bin!

DEM ANGEBETETEN

Wie eine indische Gattin lieb ich ihn
Und ist doch alles schleierweiss und leicht
Nur zwischen uns . . .
Des Tages denkt er meiner oft –
Und alle Stunden meiner Träume ziehen hin
Zu dem geliebten Mann.
Meine Seele huschelt immer seinem Herzen an –
Er weiss es!
Und wenn sein edles Herz einst nicht mehr schlägt,
Dann sterb ich,
Wie eine indische Gattin mit ihm hin – –

DREI FRAUEN

Die erste trug ein Krönlein am Haupt,
Sie war so schön und licht.
Sie wollte stolz mit ihm durchs Leben gehen
Und der Erbe war ihre Pflicht.
Die zweite war so zart und wild,
Und wollte tollen und lachen,
Champagner, Brillanten und Seidenzeug
Und der Erbe kam wider Erwarten;
Und war ihr eigenes Ebenbild.
Die dritte ging aus sichrem Haus
Ins Ungewisse und Schande hinaus
Für langersehnte Stunde des Glücks – – –
Doch trug sie das Haupt hoch auf,
Als säss eine Krone darauf
Und alle Sterne waren mit ihr . . .
Ein Leuchten war ihr Angesicht,
Als lag darin das Himmelslicht
Versenkt.
Sie ging in heller Heiterkeit
Und fühlte sich verklärt . . geweiht . . .
Und sprach:
Von dem ich liebe
Trag ich nun ein Kind.
O Glück der Erde,
Du bist nicht gross –
Ich halt es ganz
In meinem Schoss!
Gibt es ein Glück
Dem meinen gleich?!
Das Himmelreich sank
Tief in mich hinab . . .
O wüsste ich’s zu sagen,
Wie lieb ich ihn hab!
Sein Weg ist weit in die Welt hinein
Er muss noch viel den Menschen sein . . .
Ich aber, ich bin nicht allein . . .
Sein Blut wird immer um mich sein,
O Liebes, das mir im Blute ruht,
Dir will ich singen, singen von ihm,
Bring mir nur ja seine Augen mit.
Vergiss nicht seinen leichten Schritt
Und hab nur seinen Mund,
Der rot ist, als war er
Vom Küssen wund.
Wart, von seinem süssen Denken
Will ich dir ganze Lieder schenken.
Und soll ich unter Schmerzen sterben
Wenn du ans Licht kommst –
– Er hat den Erben –
Und soll ihn Jubel nennen
Und ich bereu es nicht!
Und – ich bereu es nicht!

DAS ZAUBERSCHLOSS

Im Laubgehänge – im Lichtgedränge,
Im Nebelschloss – im Zauberschloss,
Da sitzt der stolze Bürgerspross –
Im hohen Schlossturm
Hat er Gott eingesperrt.
Wenn der Wind so saust
Wenn der Sturm so braust,
Verrät ihm der fluchende Gott sein Geheimnis . . .!
Im Kellergelass, im Kellergelass
Da hat er den Teufel eingesperrt,
Wenn die Sonne so scheint . . .
Wenn die Sonne so scheint . . .
Dann sitzt der Teufel
Und betet und weint
Und verrät ihm dann sein Geheimnis . . .!
Im Rittersaal, im Rittersaal
Da sitzt an der Orgel der Bürgerspross
Und hält die Hände in den Schoss –
Sein Wille hebt die Tasten bloss –
In dem blassen, bleichen Gesicht
Und sein Mund blüht rot –
Und sein Mund glüht rot –
Als wenn er küssen möchte!
Die Orgelpfeifen sind nicht von Metall
Ihr Sang ist viel zu weich dazu! –
Hast du sie gesehn,
So hast du nie Ruh:
Die Orgelpfeifen sind Frauenkehlen
Der Weiber, die er wild betört
Und dann niemals erhört.
Wenn leise die Nacht durch die Berge weht,
Und der Wind die Vorhänge bläht,
Dann klingt aus der Erde dem Himmel zu
Ein Lied ohne Glück –
Ein Lied ohne Ruh
Aus seufzenden Frauenkehlen . . .

MELANCHOLIE

Auch unter Schleppe und Bänderchen
Ist ein Leib.
Auch in allen Takt und Tugenden
Steckt noch ein Weib.
Auch hinter Opferwillen
Rollt noch das Blut –
Auch – wenn du verzichten willst –
Bleibst du ihm gut . . . . .

BRIEF DER MENSCHHEIT AN EINEN REFORMATOR

Du, schon gross genug im Vorbild uns,
Wie du das Leben ertragen, gemeistert,
Mit Inhalt erfüllt und gemessen,
Du schenkest uns nun, was wir noch nie besessen,
Solange es Menschen gibt:
»Die langersehnte Freiheit«.
Nicht Irrtümer mehr, mit grotesken Gebärden
Flüchen und zerstörten Städten,
Sondern die Freiheit aus geistiger Reife,
Die jedes Gehirnes Besitz sein kann,
Das fern dem Aberwitz sich rein hält.
Du willst uns zur vollen Freiheit erlösen,
Innerhalb der Gesetze ehernen Bahnen
Können wir von der Seele Übel genesen,
Und wieder werden: heiliger Leib;
Und nicht mehr Narrenspiel und Narrenzeitvertreib.
Sondern selbst bestimmt nach unseres Gehirnes Art.
Und wirst die Frauen lehren
Sich ihres Verlangens nicht schamhaft zu wehren,
Sondern in Freude und Ehren
Der Welt den Erben gebären.
Und wirst den Männern ergründen,
Ohne Zorn als Besseres sich wiederzufinden
Im Kinde,
Wenn Eigenes ihnen verwehrt blieb,
Und versagt sich zu vergeuden
In grossen Taten an die Pracht der Welt!
Wirst aber die Grössten lehren
Sich zu »sich-selbst« zu bekehren,
Nicht an Erbe und Weib zu denken,
Sondern sich ganz der Welt zu verschenken,
Als des Lebens »letzthöchste Erfüllung« .

Weist ihnen auch als höchstes Adelszeichen
Gesunden Leib –
Zeigst Kranksein als die einzige Sünde
Am Menschentum,
Damit sich jeder wiederfinde
Schon in sich-selbst – . . .
Oder erst im Kinde. – – –
–   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –
So bist du uns, – an Worten karg.
Da tausend andern Worte nur geraten.
So schenkt dein Wille sich in edlen Taten!
Wir danken dir! Es fehlt die Unterschrift –
Sie heisst in diesem Falle: Wir Menschen alle!

SPRUCH

Demütig ist das Schicksal starkem Willen:
Was du ersehnst, wird es dir wollen,
Was du begehrst, wird es erfüllen . . .!

EIN TRAUMSYMBOL

Der blaue Strom rauschte sein Rätsellied
Die Menschen schliefen kraftlos und müd,
Sie hatte der Frauen schönstes Gewand:
Das helle Vollmondlicht, das Leiber zart und überirdisch macht,
Lag mit magischer Pracht ihr eng um warme Glieder,
Sie sank auf den Rücken
Ins weiche schwellende Gras hernieder,
Die Hände hohl unter dem Haupt als Kissen,
Der Brüste Spitzen neugierig in milde Abendluft gestellt
Und umher die weite, weite Welt . . .
Er lag zwischen ihren Knien
Und hielt die Hände am Rasen aufgestemmt,
Krampfhaft waren seine Arme gereckt,
Er sah mit ernstem, forschendem Blick in ihr Gesicht,
Das ohne Licht im Dämmer lag und sprach:
Wer bist du? Peinigerin?
Ich hasse dich – oder – lieb ich dich?
Ich verachte dich – oder versteh ich dich?
Ich kenne dich nicht–oder kennst du mich? nur du mich!?
Sie sah ihn nicht an
– Über seine Schulter weg
Floh ihr blauer Blick scheu
In unverrückbar-weite Ferne,
Wo der Sterne fremdes Licht verflimmert,
Als wär sie selbst aus jenem weissglühenden Stoff, der schimmert,
Geformt,
Herniedergesunken zu der kühleren Erde
– – – Er aber sprach weiter:
Oder bist du die, die ich sehnte und niemals fand,
Die Ferne, Süsse aus dem hellen Zauberland?
Nein, die bist du nicht!
Wo hast du dein Vaterland?
Du! ich hasse dich!
– – verachte dich!
Mich ekelt vor dir!
Du allergeilster Lüste Tier! Nein – du! mit dem zartesten Geist
Wer bist du!
Du mit dem lustzuckendem Schoss – nein – du
Mit den schmetterlingsflügelflatternden Gedanken,
Die um Ranken lichter Träume wehn –
Wer bist du!?
Veracht ich – hass ich – lieb ich dich?
Ich weiss es nicht. . .
Du peinigst mich . . .
Wer bist du?
Da lösten sich die Arme von dem Lockenkopf
Die linke Hand versank ins linde Gras
Und hielt sich leise.
Eine kleine Blüte verkroch sich kosenderweise
In das Grübchen ihres Ellenbogens
Und sachte hob sich Schulter und Leib
– Die Rechte schob sich um den Männerleib,
Der Hals war trunken hinüber gesunken,
Als hielt er schlecht das traumschwere Haupt
Die hellen Augen blitzten wie lichtes Edelgestein
Und sahen tief, tief in seine hinein,
Und krallten sich in sein Wesen ein.
Es blinkten zwischen den Lippen der Zähne Reihn
Und näher zog sie den Mann an sich –
Dass ihm die roten Spitzen der Brüste ins Fleisch blühten
Er stöhnte auf:
Während seine Augen anglühten:
Wer bist du?
Da zog sie sich hinauf an seinen Leib
Und hauchte lustvoll-leise:
»Ich bin das Weib!«

GEBET DES STERNES AN DEN NACHTHIMMEL

Mondlichter Himmel!
Verlass mich nicht!
                    Lass mich nicht
                    Aus deinem Traum fallen!
                    Nebel wallen
                    Zu dir
                    Und wollen mich dir verhüllen . . .
Mondlichter Himmel!
Vergiss mich nicht,
Du machst mich strahlend
Und gut und licht!

RASSE

Meine Ahnen führten die Reiterscharen
In den Krieg voran
Meine Ahnen waren stolze Bojaren.
Sie sassen im Sattel schenkelgepresst
Auf wild galoppierenden Hengsten,
Und was sie taten, das hiessen sie Recht
Und recht mussten die andern es nennen!
Ihre Losung war:
Oder Sieg oder Tod
Und der Feind floh
In Not und Ängsten . . . . .
Mein Vater war ein Bürgerspross,
Der brachte den Geist in das herrische Blut
                    Ich tu, was ich will
                    Und ich kann, was ich will
                    Und was ich will, ist gut . . .!

DIE MUSE

Ich will dir nur die Muse höchster Stunden sein
Wenn du gipfelumrauscht,
Den Menschen ein Fernstes bist.
Auf das in Lächeln oder Wut
Mein Bild in deiner Seele ruht,
Wie die Sonne im Weltenraum –
Schwebend und allein –
Und dennoch in dir und dein –
In Feuer und Glut
Und sich in Gaben verschenkend
Der grossen Welt . . . . . . . . . . .!

EINE BRAUT AN DEN AUFWÜHLEND-SCHÖNEN

Heisse Liebe wird nur durch den Kuss erlöst,
Lass mich nicht so glückentblösst
Durch den Frühlingsjubel gehn.
Eine Amsel singt schon leise
Aller Frauen heimlichen Traum,
Gras durchsticht die Erde,
Blüten entsteigen der Zweige engem Raum.
Alle Äste hat das Glück geschwellt,
Welt, o Welt, wie bist du schön!
Weisst du, was die geschwätzige Amsel singt? –:
Frauen sind nicht Mädchen,
Sie wissen der heimlichen Wonnen so viel,
Ganz Spiel
Ist ihr Wesen . . .
Lass mich von meiner Liebe genesen,
Lass mich mit dir das erwachte Leben sehn
Einer Mann der Welt
Oder gibt es noch andere?
Ich habe keinen sonst gesehn.

ABSCHIED VOM LEBEN

O mein Geliebter
Die Sterne sind mir so nah –
Du bist so weit – so weit –!
Braune Erde, was stierst du mich an?
Wasser, was lockst du heran . . .?
O sinkt zusammen, ihr Berg und Tal
Rette mich an dein Herz,
Sonst sterb ich vor Qual!
Ferner ade!
Ich grüss dich vieltausendmal . . .

DER SCHÖNE ÜBERMENSCH

Frauen, lasst mich!
Meine Feinnervigkeit fühlt euch zu sehr.
Lastend liegt ihr meinem Erinnern –
Ich glühe an an eurem Blick
Und euer Sehnen macht das Blut mir schwer!
O die Sonne einmal schauen!
Die Wiesen . . . die Bäume –
Euch – ihr Frauen –;
Doch ohne Brände!
–   –   –   –   –   –   –   –   –
Kenn ich die Welt
Mit ihrer ruhigen Freude?
Ich habe Schicksale ins Leben gestellt
Und forme Taten für künftige Jahrhunderte – –
–   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –
Aber kenn ich die Welt
Mit ihrer atmenden Ruhe?
Ich schaute sie nie im Sonnenglanz,
Froh-gleichmütig, mit Wiesengrün, mit Wasserblaueu
Denn ihr seid da, ihr Frauen!
Ihr werft die Fieberraketen mir ins ahnungslose Blut
Und ich
Entzünde mich der eignen Schönheit einer Jeden . . . . .!
Nur einmal Frieden sehnend weit und breit
Flieh ich dahin in reinigende Einsamkeit!
Lasst mich! geht!
Chor der Frauen: Du heisst uns sterben, schönster Geist!

DIE ERSCHEINUNG

An aller Schönheit aufgestrafft,
Geht er dahin in die gleitende Nacht,
Die Sterne funkeln, als müssten sie gleich singen vor Lust.
Jedes Weh ertrank in seliger Menschenbrust
Alles Leise ist von den Dingen gegangen –
Sie haben ein Jubeln umgehängt.
Der Menschen Wünsche sind gedrängt
– wie in zu enge Lungen gezwängt
Und wollen Atem einsaugen aus dem All,
Um nicht an süssem Weh zu ersticken.
In langen, schlangengleitenden Wogen
Kommt sanft sich aufbäumend das Meer gezogen
Und will den Sprung an die Küste tun
Und endlich geborgen an seinem Felsen ruhn
Und kann doch nimmer, nimmer hinauf,
Kreischt auf, rollt zurück, springt, von neuem auf,
Erneut das wehe Spiel, solange es sich nicht müd gemacht.
Dort steht ein lächelnder Mann mit schönem Gesicht
Und sieht ins Meer hinein,
Da ist’s, als wären die Wogen gespalten,
Gedrängt von inneren Gewalten
Wächst ein Weib aus dem Meere heraus.
Aus dunklen Schleierfalten ahnt man den Leib,
Der Vollmond giesst hoch von oben
Seines blinkenden Lichtes Gewalt
Um die seltsam ernste Gestalt.
Die rechte Brust und der rechte Arm sind frei
Und leuchten weiss wie Märzenschnee
Ein Weh glänzt ihr um traurige Wangen
Mit einer Stimme voll weichem Bangen
Ruft sie den Mann.
So wie das Klingen weicher Violinen
Aus feierlichen Fernen fliesst
Und Schmerz und Qual in bange Seelen giesst,
So hebt ihrer Stimme leise Gewalt
Vergessene Träume aus dunklen Tiefen
Zu lebendiger Gestalt:
Ihr bleicher Arm winkt in die Nacht hinaus,
Wo jähe Felsen tückisch sich verketten,
Und seufzt, so herb und mitleidsreich:
Allwo nur die Dornenhecken stehen,
Die erst in Jahrhunderten einen Frühling tragen,
Ist dein Weg –!
Allwo es finster und sorgenvoll ist
Du – selber dir eigenes Licht nur bist
Und eigenen, einsamen Pfad erhellst,
Ist dein Weg –!
Wo alle Schönheit von den Dingen gegangen
Und Sturm geworden,
Ist dein Weg –!
Wie ein Held heisst es stehen,
Denn die Angst einer Welt
Wird dich dunkel umwehen.
Allwo nicht Weib noch Kind
Die Träne, die aus den Augen rinnt,
Dir stillt –
Nur wilder Wind
Sie von den heissen Wangen bläst –
Ist dein Weg –
Da geht sein scheuer Mannesblick
Noch einmal nach all dem heitren Glanz zurück,
Nach Girren und Schmeicheln auf Seide gewoben,
Nach dem feuchten Leuchten träumender Augen,
Nach all dem seligen Wonnesaugen,
Nach Winken von weichen Frauenhänden
Auf farbigen Wänden – nach Myrten und Kinderstimmen.

Dann löst er das schaukelnde Boot
Und steigt allein mit seiner Seele Not
Hinein
Und fährt einsam hinaus
Zu Sturm und Ruhm – – –

AUFSEUFZEN

Allüberall ist Fremde
Und nirgends ist es gut . . .
Nur wenn dein Blick
In meinem ruht,
Dann bin ich ganz zu Haus.
Wenn deine kühle Hand
Die meine hält,
Bin ich die Reichste der ganzen Welt . . .!
Und bis in tiefe Himmel hinein
Ist alles mein Vaterland . . .!

AUSKLANG


DIE ENTZÜNDETE SPRICHT


Flammend-Geliebter!
Ich will mit der Welt
Kämpfen um dich!
Ich will mich vergeuden, du Angebeteter
In guten Werken und Tun!
Meine Hände sollen schaffend
Für sie Alle keine, keine Stunde ruhn
Doch meine Seele, die Nachtigall,
Singt mir dazu heimlich von dir,
Und schluchzt, wenn ich schon müde bin:
Nur weiter, bald ist er hier!
–   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –   –
Du wirst ihnen sagen:
Sie war tot wie die versunkene Nacht!
Erst seit mein Blut in ihrem rauscht,
Weiss sie des Lebens heilige Melodie!
Sie ist der Ton,
Ich der Bogenstrich,
Der sie singen macht.
Süsser du!
Und die Schönste wird dir nur
Ein blinder Spiegel sein,
Der nichts von deiner Hoheit widerstrahlt.
Und du wirst in mich schauen und berauscht
Nur deine eigne Schönheit sehen . . .!
Die Schwüre, die du gabst und nahmst,
Werden wie geschmolzene Ketten
Von deinem strahlenden Leibe fallen –

Und
Menschen, Menschen und immer wieder Menschen
Werden zu uns wallen
Und sagen: Seid euer! und ja!
Der stolze Tag
Der neue Tag ist da!!!