21. Januar 2008

Erich Mühsam – Thekla.      

aus: Kain-Kalender für das Jahr 1912, herausgegeben von Erich Mühsam, sämtliche Beiträge sind vom Herausgeber Kain-Verlag, München, 1912, S. 52


Thekla.

Mädchen mit den krummen Beinen,
wie dein Dackel schief im Gang,
glätte mir dein weißes Leinen. –
Grade will dein Wuchs mir scheinen,
liegst du lang.

Deine Haut, die fleckig-kreidig
dir verunziert Stirn und Wang',
rötet sich und wird geschmeidig,
und dein Borstenhaar wird seidig,
liegst du lang.

Dein Organ ist wie der Spatzen
krächzend-kreischender Gesang.
Komm auf schwellende Matratzen!
Wohllaut wird dein heisres Kratzen,
liegst du lang.

Armes Kind, nie kam ein Freier,
der dich auf sein Lager dang.
Komm mit mir zur Liebesfeier!
Mir schwillt Mut und Blut und Leier,
liegst du lang.




20080121_Erich Mühsam - Thekla.

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