16. Mai 2008

Else Galen-Gube – Schön-Ellen.      

aus: Else Galen-Gube, Aus dem Leben und den Träumen eines Weibes, Verlag von Hermann Seemann Nachfolger, Leipzig, 1903, S. 46.

Schön-Ellen.

Der junge Kaiser reitet
vorbei an Schön-Ellens Haus,
Schön-Ellen lehnet im Erker
und schaut aus dem Fenster hinaus.


Der junge Kaiser ist traurig,
er grüßt nach Schön-Ellens Tür;
Schön-Ellen tritt aus der Pforte
licht wie der Morgen herfür.


Der blonde junge Kaiser
tritt zur Kemenate herein –
doch langsam geht er von dannen,
bei des Tages frührotem Schein .....


Dann reckt er sich in den Schultern,
in Lust ist sein Trauern verkehrt,
es summt ihm ein Lied auf den Lippen,
und singend steigt er zu Pferd:


»O du weiße Pracht in dunkler Nacht!
O du stolze, du siegende Kaisermacht!« –




20080516_Else Galen-Gube - Schön-Ellen.